Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat

Leitung: Prof. Dr. Hornetz 

Verfasser: Tanja Rölker


 

Die nomadische Wirtschaftsweise der Samburu und Rendille (unter Berücksichtigung von Transformationsprozessen)

 

 

1 Einleitung

     2.1 Die Ethnien

           2.1.1 Samburu

           2.1.2 Rendille

3 Produktionsweise

4 Vertragliche Verbindungen

5 Diversifikation der Tierarten

6 Verwandtschaftssystem

7 Altersklassensystem

     7.1 Frauen

     7.2 Männer

8 Zum Wandel der nomadischen Gesellschaft

Literaturauswahl

 

 

1 Einleitung

Die Nomaden nehmen politisch und ökonomisch eine untergeordnete Stellung ein, sie sind die am wenigsten in den Nationalstaat integrierte Gruppe.

 

2.1 Die Ethnien

2.1.1 Samburu

Hauptsiedlungsgebiet der Samburu ist der Samburu District (Abb. 1).

Die Wirtschaftsweise basiert hauptsächlich auf Rinderhaltung, sowie auf Ziegen- und Schafshaltung.

Die Siedlungsweise ist durch vergleichsweise kleine Lager (Manyattas) von 4 – 10 Haushalten charakterisiert.

Insgesamt können ca. 70.000 Personen zu den Samburu gezählt werden.

 

2.1.2 Rendille

Hauptsiedlungsgebiet der Rendille ist der Marsabit District (Abb.1).

Die Wirtschaftsweise beruht, im Gegensatz zu den Samburu, hauptsächlich auf Kamelhaltung, sowie ebenfalls Ziegen- und Schafshaltung.

Die Siedlungsweise der Rendille ist durch große Lager von 70 – 100 Haushalten charakterisiert.

Insgesamt können zu den Rendille ca. 15.000 Personen gezählt werden.

 

3 Die Produktionsweise

Die Grundlage der Produktions- und Lebensweise ist Flexibilität und Mobilität.

Bestimmende Faktoren sind:

·        Subsistenzsicherung

·        Risikominimierung

·        Optimierung der Ressourcennutzung

·        Befriedigung ritueller Nachfrage (Brautpreise und ähnliches).

Das sind auch die wesentlichen Gründe der Vergrößerung der Herden.

Ebenfalls von Bedeutung sind die Gründe für die Verkleinerung der Herden:

·        Für die Ernährung der Familie

·        Für traditionelle Feste (soziale Funktion)

·        Für die Familiengründung und Ausdehnung

·        Zwangsverkleinerung durch die Morani.

Durch den sozialen Wandel sind sowohl bei der Vergrößerung als auch bei der Verkleinerung der Herden neue Gesichtspunkte hinzugekommen, v.a. durch die Veränderung im Ernährungs- und Konsumverhalten (die Konsumliste reicht heute vom soft drink bis zum Radio) (vgl. SAIDI, 1989, S. 201 – 203).

 

4 Vertragliche Verbindungen

Beim „mal“ System der Rendille wird einem Bittsteller eine Kamelstute zum melken überlassen. Die männliche Nachkommenschaft des Kamels gehört dem Melker. Beim Tausch der männlichen Nachkommen gegen eine Stute, kann der Bittsteller sich seine eigene Herde aufbauen. Der Geber kann das Kamel nur zurückfordern, wenn sein Bedarf dringender ist als der des Nehmers. Das würde für ihn allerdings einen Prestigeverlust bedeuten. Für den Nehmer besteht außerdem die Möglichkeit, das Kamel weiterzuverleihen. Damit gilt das Anrecht des Gebers auf das Kamel als historisch. Auf diese Weise entsteht ein Netz von Rückversicherungen. Die meisten Rendille sind Geber und Nehmer zugleich.

Bei den Samburu entsteht die Viehbindung durch den Brautpreis (8 Rinder bei der Hochzeit). Darüber hinaus ist der Bräutigam verpflichtet, die Bitten der Braut- Verwandten hinsichtlich Viehgaben zu erfüllen, da ansonsten seine Kinder verflucht würden. Nach dem Tod des Bräutigams überträgt sich diese Verantwortung auf seine Kinder (vgl. SCHLEE, 1979, S. 63 – 66).

 

5 Diversifikation der Tierarten

Die verschiedenen Tierarten besitzen unterschiedliche Eigenschaften bezüglich Haltung, Produktivität, Widerstandsfähigkeit und Funktion für die Gesellschaft. Die Tiere stehen i.d.R. nicht in Konkurrenz zueinander und lassen sich ergänzend nutzen (Abb. 2).

Kamele können beispielsweise Pflanzen nutzen, sie für andere Tiere aufgrund des hohen Salzgehaltes ungeeignet sind. Stattdessen ertragen sie kein feuchtes oder kälteres Klima und reagieren entsprechend anfälliger mit Krankheiten.

Durch die Kombination mehrerer Tierarten wird die Verfügbarkeit von Milch erhöht und das Risiko, alle Tiere durch Seuchen und Krankheiten zu verlieren, bleibt gering. Generell erfordert die Artendiversifikation jedoch einen erhöhten Arbeitsaufwand.

a)      Milchproduktion

Kamele: 3,5 bis 4l täglich, mit max. 10l. Laktationszeit variiert von 9 bis 18 Monaten und endet nicht in der Trockenzeit wie bei Rindern, Schafen und Ziegen.

Rinder: 1l oder mehr in feuchten Zeiten und  250ml in Trockenzeiten.

b)      Wachstumsrate

Kamele: 2 –3%/ Jahr

Rinder: 11 – 12%/ Jahr (kleinere Kalbsintervalle, zeigen größere Resistenzen gegenüber Tripanosomen (Tsetse) und sind verwundbarer gegenüber Dürren und periodisch auftretenden Krankheiten wie Ostküstenfieber, Rinderpest etc.)

c)      Herdenteilung (vgl. WALZ, 1992, S. 130)

Ausgleich der saisonalen Schwankungen im Futterangebot durch Wanderungen zu verschiedenen Weideplätzen, Teilung der Herden in Haushaltsherden und Fernherden (=“Foraherden“).

Haushaltsherden versorgen Frauen, Kinder und die älteren, verheirateten Männer mit Milch, Blut und Fleisch. Sie bestehen normalerweise aus frisch laktierenden Tieren mit ihren Jungen, aus hochtragenden Tieren und Lasttieren für den Wassertransport.

“Foraherden“ gehütet von den Morani, herd boys und –girls (sehr mobil). Bestehen aus abgesetzten Jungtieren, niedertragenden und leeren weiblichen Tieren, dem männlichen Zuchtvieh und weniger laktierenden Tieren zur Versorgung der o.g. Hüter.

 

 

6 Verwandtschaftssystem

            Clan:

            Rendille 8

            Samburu 11

            Ein übergeordneter Zusammenschluss von Siedlungsgruppen. Innerhalb des

            Eigenen Clans besteht Heiratsverbot – Exogamieregel.

           

Subclan

Als kleinste organisatorische Einheit, verbindet Clanmitglieder mit einem gemeinsamen Siedlungsplatz.

 

Sondergruppen bei den Rendille

Ibere: Besondere Kräfte und Flüche.

K- Leute: Geringes Ansehen, Heirat nur untereinander (Endogamieregel).

Schmiede: Unterste Stufe der sozialen Hierarchie (durch die Fähigkeit Waffen herzustellen).

 

7 Altersklassensystem

Jeder Rendille/ Samburu durchläuft bestimmte Altersklassen. Sie folgen einem jahreszeitlichen Rhythmus (Rendille 14 Jahre, Samburu weniger).

 

7.1 Frauen:

Die Mädchenzeit endet mit der Beschneidung und ist durch die Mithilfe bei der Hausarbeit und das Hüten von Kleinvieh charakterisiert.

Frauen: Die Heirat erfolgt im allgemeinen sehr früh, direkt nach der Beschneidung. Bei den Rendille allerdings später, bedingt durch die langsame Reproduktionsweise der Kamelherde und damit verbundenes assymetrisches Wachstum zwischen Bevölkerung und Kamelherde.

7.2 Männer:

Die Jungenzeit endet mit der Beschneidung. Alle Jungen die gleichzeitig beschnitten werden, gehören einer Altersklasse an. Bei den Rendille erbt der erstgeborene Sohn der ersten Frau die Kamelherde, seine Brüder hingegen nur das Kleinvieh.

Moranzeit = “Kriegerzeit“, früher v.a. zur Verteidigung gegen Viehdiebe und wilde Tiere gekennzeichnet, heute steht hingegen die Viehhaltung im Vordergrund. Die Morani sind strengen Speisegesetzen unterworfen und leben hauptsächlich in Satellitencamps. In der Moranzeit sind Freundinnen  erlaubt, eine Heirat ist allerdings ausgeschlossen.

Die Elders stellen traditionelle Machteliten dar. Nach der Beendigung der Moranzeit besteht die Möglichkeit der Heirat, Polygamie ist erlaubt.

 

8 Zum Wandel der nomadischen Gesellschaften

Die Transformationsphase ist dadurch gekennzeichnet, dass die Intensität der Veränderungen der Rahmenbedingungen stärker ist als die Anpassungsfähigkeit der Bevölkerung.  Die Transformationsphase impliziert eine Reihe von sozio- kulturellen sowie sozio- ökonomischen Problemen. Die Zahl der Menschen, die vom traditionellen Netz der Solidargemeinschaft abhängig sind, nimmt zu. Das soziale System bröckelt und dadurch steigt die Zahl der Problemgruppen wie z.B. die der Morani. Sie geraten in Abhängigkeit von der Familie.

Selbst bei den Samburu selbst besteht kaum noch Verständnis für den Moranismus, die Morani werden nicht mehr als Krieger betrachtet, sondern als Jugendliche. Sie sind lediglich „traditionell dekorierte Arbeitslose“, die als Touristenattraktion dienen und ansonsten in den „Trading Centres“ herumhängen (vgl. SAIDI, 1988, S. 201).

Die traditionelle soziale Ordnung funktioniert aus diesen Gründen nur noch teilweise, die Position der Elders ist geschwächt und z.T. durch fremde administrative Systeme (chief system) ersetzt worden. Die traditionelle Erziehung findet nur noch begrenzt statt; sie kann mit der formalen Erziehung nicht konkurrieren.

 

Literaturauswahl

FRATKIN, E. (1991): Surviving drought and development (Ariaal pastoralists of northern Kenya). - Boulder, San Francisco, Oxford

FRATKIN, E., GALVINK.A. & ROTH, E.A. (1994): African pastoralist systems. An integrated approach. – Boulder, London

SAIDI, K. (1989): Angepaßte Entwicklungsstrategien nomadischer Viehhalter im Norden Kenias.- In: BAUM, E. (Hrsg., 1989): Nomaden und ihre Umwelt im Wandel, Witzenhausen, S. 179-242.

SCHLEE, G. (1979): Das Glaubens- und Sozialsystem der Rendille - Kamelnomaden Nordkenias.- Berlin

SCHOLZ, F. (Hrsg., 1991): Nomaden- Mobile Tierhaltung. – Berlin

SPENCER, P. (1973): Nomads in alliance. – London

WALZ, G. (1992): Nomaden im Nationalstaat. Zur Integration der Nomaden in Kenia.- (= Abhandlungen - Anthropogeographie, Heft 49), Berlin

 

 

 

 

 

 

 

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