Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
Startseite
Teilnehmer
Regionalseminar
Exkursionsreferate
Tagesprotokolle
Bilder
Route (Text)
Route (Karte)
Karten
Impressum




Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat 

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Harald Höhn


 

   Ressourcen- und Umweltprobleme durch 

touristische Nutzung am Beispiel des Samburu National

 Reserve

 

 

1 Samburu National Reserve

2 Der Tourismus innerhalb des Reserve

     2.1 Die wirtschaftliche Bedeutung des Samburu National Reserve

     2.2 Probleme durch den Tourismus

3 Fazit

Literatur

 

 

1. Das Samburu National Reserve

Das Samburu National Reserve ist Teil des Samburu District, der im nördlichen Teil des Rift Valley liegt und 20.826 km² groß ist. Es gehört zu der Waso Division, einer von sechs Bezirken im Samburu District.

Das Reserve wurde 1962 gegründet und gehört zum nordkenianischen Sahel, einem der größten äquatornahen Trockenräume der Erde, (JOB, 1999, S.5).  Charakteristisch für die Landschaft sind Ebenen, die durch hochgelegene Plateaus (Lavadecken des Mt. Kenya-Systems) im Südwesten und Gebirgszüge im Osten unterbrochen werden. Das Reserve liegt auf einer Rumpffläche, mit ferralitischen Böden aus dem Tertiär, von ca. 780m Höhe mit Inselbergen, die bis 1500m hochreichen.

Es gibt zwei Regen- und zwei Trockenzeiten (die erste Regenzeit (“long rains“) zwischen März und Mai, die zweite Regenzeit (“Short rains“) zwischen Oktober und Dezember). Die trockensten Monate sind Januar und Februar. Die Plateaus im Süden erhalten 500-700mm jährlichen Niederschlag, die Gebirgszüge im Osten (Nyambeni Hills) zwischen 750-1250mm und die trockenste Region sind die zentralen Ebenen im Becken von Isiolo/Archer`s Post mit 250-500mm Niederschlag pro Jahr. Im Samburu National Reserve selbst liegen die Niederschläge bei 350-400mm jährlich. Das Reserve liegt in diesem Becken von Archer`s Post, das kreisrund und nach Süden hin offen ist im Einzugsgebiet der Fallwinde (SE-Passat) des Mt. Kenya, was eine erhöhte Verdunstung bewirkt.

Die Durchschnittstemperatur, sie variiert mit der Höhe, liegt zwischen 24°C und 33°C. (ANTON et al., 1999, S.15). Somit ist das Reserve Teil einer Dornsavanne, die relativ trocken ist und in der Akazien, Strauchakazien und perenne Gräser wachsen. Um den Ewaso Ngiro-Fluss ist ein Galeriewald ausgebildet, der Elemente von Trocken- und Feuchtsavannen aufweist (z.B. der Leberwurstbaum; Kigelia africana). Dieser Fluss führt permanent Wasser und hat ein Flusssystem mit Terrassen geschaffen, die mit Kalkkrusten überzogen sind.

1963 wurde die Samburu Lodge durch Sir Martin Sorsbie gebaut und er spendete sie dem “African District Council of Samburu“ (ANTON et al., 1999, S.21). Heut gibt es noch mit dem Larsen´s Camp und dem Samburu Intrepids Club zwei zusätzliche Lodges.

Bis 1980 wurde das Reserve ständig auf die heutige Größe von ca. 22.500 ha erweitert, wodurch ansässige Kommunen ihre Gebiete verlassen mussten.

Begrenzt wird das Reserve im Süden durch den Ewaso Ngiro und das Buffalo Springs National Reserve, das im District Isiolo liegt. Die übrige Grenze besteht aus einem 2m breiten Streifen, der jedes Jahr von Büschen befreit wird.

Anschließend an diese Grenze sind in einer 5km breiten Pufferzone Siedlungen erlaubt. Ziel dieser Zone ist eine Minimierung der Konflikte zwischen Menschen, Vieh und Wildtieren (ANTON et al., 1999, S.21).

In Grenznähe zum Buffalo Springs Reserve, genauer an einer Hauptpiste zwischen dem Larsen`s Camp und dem Parkeingang bei Archer`s Post, liegt ein Flugfeld. Dies wird aber kaum benutzt, da es schlecht geplant ist. Erstens liegt es in einem Gebiet, wo sich viele Tiere aufhalten und zweitens sind Berge in unmittelbarer Nähe, wodurch je nach Windrichtung ein Start bzw. Landung äußerst schwierig wird (ANTON et al., 1999, S.30-31).

1998 arbeiteten 65 Personen im Samburu National Reserve. Ein Direktor mit seinen zwei Stellvertretern, 46 Ranger und 16 Angestellte, wie Bürokräfte, Finanzbearbeiter und Aushilfen. Alle wohnen mit ihren Familien in der Nähe der Samburu Lodge im Reserve.

Sieben Ranger kommen aus der näheren Umgebung des Reserve, alle anderen sind aus dem Samburu District; für die umliegende Bevölkerung natürlich viel zuwenig (ANTON et al., 1999, S.24-25).

Verantwortlich für den Park ist der “Samburu County Council“ mit Sitz im Maralal. Seine Hauptaufgaben liegen in der Aufrechterhaltung der Infrastruktur des Reserve und der Personalpolitik.

Zudem wurde 1998 ein “National Reserve Commitee“ eingerichtet. Es soll das Reserve managen, die angrenzenden Kommunen miteinbeziehen und die Sicherheit im Reserve und der Kommunen gewährleisten.

  

2. Der Tourismus innerhalb des Reserve

Im Samburu National Reserve gibt es drei Lodges zur Beherbergung, alle nah am Ewaso Ngiro gelegen. Diese drei Lodges sind die Samburu Lodge (1963) mit 117 Betten in 60 Räumen, das Larsen´s Camp (1988) mit 34 Betten in 17 Zelten und der Samburu Intrepids Club (1990) mit 54 Betten in 27 Zelten.

Alle Lodges bieten verschiedene Aktivitäten an, unter anderem auch Wildsafaris, River Rafting, Buschfrühstück bzw. Sunsetdinner, kulturelle Abende usw.

Die israelische Kette “Block Hotels“, Inhaber der Samburu Lodge und Larsen´s Camp, wollten Nachtsafaris anbieten, haben dies auch für einen Monat gemacht (bei Abwesenheit des Reserve Direktors), jedoch wurde es verboten.

Zu den Lodges kommen noch sieben private und acht öffentliche Campingplätze. Alle liegen nah am Ewaso Ngiro. Sie haben Toiletten, jedoch kein Frischwasser.

Für touristische “Game Drives“ steht ein 145 km langes (offizielles) Wegenetz zur Verfügung, was durch 141 km inoffizielle Pisten ergänzt wird. Hauptanfahrtsgebiet ist das Flussbett des Ewaso Ngiro mit seinem Galeriewald. Hier können die Besucher auf kleinem Raum viele Tiere sehen.

Die Besucherzahlen des Samburu National Reserve beliefen sich 1997 auf insgesamt 22.787 (wobei keine Daten zu den Monaten Okt.-Dez. des Waso-Parkeingangs vorlagen). Jedoch werden es nicht mehr als 25.000 Besucher gewesen sein.

Zwischen 1986 und 1990 lagen die Besucherzahlen um einiges höher. Sie stiegen innerhalb dieser Jahre von 39.000 auf 67.000 Besucher. Warum in den 90er Jahren so große Schwankungen bzw. Rückgänge der Besucherzahlen auftraten, ist nicht dokumentiert. Einige

Gründe jedoch sind Stammeskonflikte im Samburu District und eine Erhöhung von räuberischen Aktivitäten in dem Gebiet zwischen Isiolo und dem Samburu National Reserve.

Zudem verbreitete der Fernsehsender KTN, dass das Reserve im August 1998 wegen Sicherheitsproblemen geschlossen werden sollte. Solche Meldungen bewirken natürlich, dass Besucher ausbleiben.

Begleitend zu den Besucherschwankungen sank auch die Auslastung der Lodges. Von noch 66% 1996/97 sank die Auslastung auf 57% im folgendem Wirtschaftsjahr (ANTON et al., 1999, S.28-32).

 

2.1 Die wirtschaftliche Bedeutung des Samburu National Reserve

Der Tourismus ist, mit Ausnahme des Viehtrift-Korridors, die einzige erlaubte Aktivität in dem Reserve (JOB / WEIZENEGGER, 1999, S.48-49). Er bringt Geld, was den Park trägt und anderweitig im Samburu  District benutzt wird.

Somit ist es verständlich, dass dem “Samburu County Council“ das Reserve als Einnahmequelle wichtig ist. Denn im Wirtschaftsjahr 1996/97 erwirtschaftete das Reserve 932.327 US $. Das waren 85% des Gesamteinkommens (1.097.453 US $) des “Samburu County Council“.

Das Nettoeinkommen betrug 745.337 US $. Mit diesem Geld werden andere Teile des Districts subventioniert (338.944 US $) und ein Überschuss in Form eines Bankdepots gebildet (406.393 US $). Die Zinsen dieses Depots werden wieder angelegt oder für Projekte im Council genutzt.

Die Kosten des Reserve im Wirtschaftsjahr 1996/97 (gesamt 186.990 US $) setzten sich aus Personalkosten (52.661 US $), Anschaffungskosten wie Uniformen, Autos, Büroausstattung und Werbung (52.977 US $), Unterstützung der umliegenden Kommunen (41.667 US $) und Instandhaltungskosten (39.685 US $) zusammen.

Den größten Teil der Einnahmen (1996/97 bei 932.327 US $) macht die Eintrittsgebühr aus (868.301 US $). Danach kommen die Übernachtungsgebühren in den Lodges und Campingplätzen (1996/97 insgesamt 63.543 US $). Die Einnahmen für Foto- und Filmgebühren lagen bei 483 US $.

Projiziert auf 1999/2000 ergeben sich Gesamtkosten von 330.989 US $. Die Personalkosten liegen bei 122.462 US $, die Anschaffungskosten bei 79.33US $, die Unterstützung der umliegenden Kommunen ist mit 41.667 US $ festgelegt und die Instandhaltungskosten steigen auf 87.527 US $.

Auf 1999/2000 projiziert liegen die Gesamteinnahmen bei 1.243.300 US $. Davon sind 1.033.333 US $ Eintrittsgelder, 162.900 US $ Übernachtungsgebühren; neu sind Gebühren zur Campingplatz-Buchung, hier 400 US $ und 13.333 US $ für Foto- und Filmgebühren. Hinzu kommen Gewinne aus dem angelegten Geld in den Bankdepots (ANTON et al., 1999, S.36-39).

Seit 1996/97 werden jährlich ca. 37.000 US $, also 5% des Nettoeinkommens des Reserve, an die indigene Bevölkerung im Umland des Reserve gezahlt. Denn sie können das Reserve nicht, wie ursprünglich, als Trockenzeitweide benutzen und müssen so in andere Gebiete ausweichen. Dies hat zur Folge, dass die dort ansässigen Kommunen ihr Weideland teilen müssen und ihnen als Ausgleich ein Abschlag gezahlt wird.

 

2.2 Probleme durch den Tourismus

Die Flächen des Reserve liegen in Wassernähe und wurden ursprünglich von der ansässigen Samburu-Bevölkerung als Trockenzeitweiden genutzt. Nach der Ausweisung des National Reserve und dem damit verbundenen Wegfall von Weideland, musste der Ablauf der Weidewanderungen geändert werden. Jedoch ist der Ewaso Ngiro nach wie vor die wichtigste Tränke und Wasserreservoir. So werden die Viehherden noch immer durch das Reservat zum Fluss getrieben (JOB, 1999, S.10).

Heute wird ein Fünftel der Fläche des Samburu National Reserve weidewirtschaftlich genutzt. Zudem werden ca. 20% der Flächen des Reservates illegal beweidet, meist in abgelegeneren und weniger besuchten Teilen. Dadurch werden Wildtiere vertrieben bzw. erheblich gestört und Vegetationsveränderungen standorttypischer Pflanzen finden statt, denn es werden z.B. annuelle Gräser nicht mehr gefressen und bilden somit tote Biomasse (JOB; WEIZENEGGER, 1999, S.49).

Zudem sorgt auch der Tourismus für ein großes Problem. Neben den regulären Haupt- und Nebenpisten besteht eine Vielzahl wilder Tracks, die sich im zentralen Südteil des Parks extrem häufen. Hier befindet sich auf weniger als 10% der Gesamtfläche das Herzstück des Parks, der Ewaso Ngiro Fluss mit seinem schattenspendenden Galeriewald.

Gründe für die vielen Tracks sind die Lodges als Start eines jeden Game Drive (zudem beanspruchen sie 36,4 ha des umfassenden Gebiets) und die Konzentration der Großsäuger (Attraktionen des Reserve, “Big Five“: Elefant, Rhinozeros, Büffel, Löwe und Leopard) in Wassernähe.

Die Tracks entstehen durch die Geländefahrzeuge und Minibusse, in Abhängigkeit von deren Frequentierungsintensität. Zur Zeit hat das offizielle Wegenetz des Reserve eine Länge von 145 km, fast gleichlang sind mit 141 km jedoch die wilden Tracks. Somit beträgt die Gesamtwegestrecke 286 km, woraus sich ein Flächenzerschneidungsgrad von 1,27km/km² ergibt. Zum Vergleich liegt der Grad der Flächenzerschneidung des siebenmal so großen Masai Mara Reserve bei 0,28km/km².

Konsequenzen daraus sind:

• Bodenverdichtung und Vegetationszerstörung

• Eintrag von Schadstoffen auch in abgelegene Gebiete

• Beeinträchtigung der Tierwelt (mit Verhaltensänderungen)

• Isolierung bzw. Vernichtung von Biotopen und

• eine sichtbare Landschaftszerschneidung

Als Lösungen sollen Zonen unterschiedlicher Nutzungsintensität, dementsprechende Pistenführung und infrastrukturelle Vorkehrungen, wie z.B. pistenparallel aufgeschüttete Erdwälle angestrebt werden. Aber auch striktes Besuchermanagement ließe sich in Erwägung ziehen, einhergehend mit der Begleitung durch Ranger oder lokale Naturführer. So würden auch Zusatzverdienstmöglichkeiten geschaffen werden. Natürlich bedürfte es im Vorfeld einer Sanktionierung von Seiten der Reservatsverwaltung und Ausbildungskurse für die Mitarbeiter (JOB,1999, S.11-13).

 

Wie entstehen inoffizielle Tracks?

Sie werden hervorgerufen durch Führer oder Selbstfahrer. Die Besucher versprechen ein

Trinkgeld für die Fahrer, wenn sie nah an Tiere heranfahren. Nach dem Beobachten setzen die Fahrer die Fahrzeuge nicht zurück, sondern fahren geradeaus weiter.

Im Samburu National Reserve befinden sich die meisten Tiere in Flussnähe und so sind dort die meisten inoffiziellen Tracks. Die Fahrer und Führer können hier schlecht zur Rechenschaft gezogen werden, da keiner so genau weiß, welcher Track offiziell oder inoffiziell ist.

Besonders, wenn die Vegetation trocken und klein ist, sind die Tracks schwer zu unterscheiden. Selbst unsere Gruppe hatte beim Game Drive Probleme, die offiziellen von den inoffiziellen Tracks zu unterscheiden.

Es wurde von Seiten des Reserve versucht, Ranger als Begleitung einzusetzen, aber die Touristen wollten nicht kontrolliert werden. Es ist geplant, Wegweiser aufzustellen und direkt an den Eingängen des Reserve darauf hinzuweisen, nur diesen zu folgen; alles andere ist strafbar. Jedoch bei unserem Besuch gab es von diesen noch nicht viele und je nach Grashöhe sind diese schwer zu sehen.

In Folge der Beschilderung sind 13 Safari-Rundwege mit einer Karte geplant. Zudem soll die Kooperation mit den Führern und deren Schulung verbessert werden und für die Touristen Informationsmaterial ausgelegt werden (ANTON et al., 1999, S.46-47).

Probleme durch die Lodges?

Es besteht eine Abmachung zwischen den Lodges und dem County Council, dass Müll an bestimmten Plätzen, wo keine Tiere herankommen können, deponiert wird. Dies wird auch eingehalten, jedoch füttern Angestellte einiger Lodges Tiere, um sie für die Touristen zu ködern. So werden die Tiere von ihrer natürlichen Nahrungsaufnahme entfernt und vom Menschen abhängig.

Den Parkrangern sind die Hände dabei gebunden, da die Lodges diese Genehmigung schon vor etlichen Jahren erhalten haben und diese bis heute noch nicht zurückgezogen wurde.

Auf der anderen Seite unternehmen die Lodges einiges, um die Besucher zu informieren. So hat die Samburu Intrepids Lodge eine gute Broschüre zusammengestellt, um an den Schutz der Tiere zu erinnern.

Auch von Seiten der Reservatsleitung ist Aufklärung geplant: So soll ein Informationscenter eine 10-20 minütige Einführung, durch die Ranger, an die Touristen ermöglichen. Jedoch ist dies nur am Parkeingang “Archer`s Gate“ geplant. Ob dies jedoch von den Besuchern genutzt wird, ist fraglich, denn die Eingänge des Reserve sind nicht attraktiv gestaltet und nach einer langen, meist über Schotterpisten führenden Fahrt zieht es jeden Besucher zu einer der Lodges ,um sich zu Erfrischen oder das Quartier zu beziehen (ANTON et al., 1999, S.47-48).

Weitere Probleme, hervorgerufen durch den Tourismus, sind, dass viele kleine Tiere durch zu schnelle Wagen getötet werden und dass zu viele Fahrzeuge um Tiere herum sind. Dem soll Abhilfe geschaffen werden, indem nicht mehr als 5 Wagen, bei 20 Metern Abstand zu einem Tier, sich aufhalten dürfen. Zudem ist es wünschenswert, die Fahrzeuge besser auszulasten oder Minibusse zu verwenden, in denen bis zu 12 Personen Platz haben.

Zudem verstoßen Campingplatzbetreuer für ein Trinkgeld gegen die Regel, kein Feuerholz im Reserve zu sammeln (ANTON et al., 1999, S.45-46).

Außerdem kommt es vor, dass Besucher inoffiziell zelten und sich der Gefahr aussetzen, von Tieren angegriffen zu werden. An ausgewiesenen Campingplätzen gibt es für den Tag und die Nacht Wachmänner, sogenannte “Watchmen“. Für die aus der Umgebung stammenden Männer ein willkommener Zusatzverdienst.

  

3. Fazit

Es wurde darüber nachgedacht, Öko-Tourismus einzuführen (weniger Besucher, die aber mehr Geld bezahlen), jedoch konnte der County Council nicht überzeugt werden, da dieser in erster Linie an Bettenauslastung interessiert ist.

Zudem hatte man die Idee, einen künstlichen Wasserparcours zu bauen, um Tiere aus dem Norden in das Reserve zu locken. Dafür müsste aber die Besucherdichte am Flusslauf reduziert werden. Außerdem scheint durch Budgetrestriktionen die Durchführung als unwahrscheinlich.

So ist eine andere Möglichkeit, die Besucher zu verteilen, überlegt worden:

Im Norden des Reserve wollte man kleine Dämme und Wasserlöcher einrichten, um auch in diesen trockeneren Teil des Reserve Tiere zu locken, die wiederum Besucher anziehen, und so das Gebiet um den Ewaso Ngiro entlastet wird.

Jedoch wären diese Maßnahmen ein großer Einschnitt in das Ökosystem, da Wasserläufe, lokales Klima, Wanderungsrouten der Tiere usw. verändert würden (ANTON et al., 1999, S.44-45).

Schutzparkübergreifend bleibt festzuhalten, dass nur ein Bruchteil der durch den Tourismus erwirtschafteten Gewinne wieder in die Projekte bzw. Parks zurückfließt. Somit ist nicht genug Geld für Naturschutzprogramme oder regionale Entwicklungsprojekte vorhanden. Werden diese Beträge nicht erhöht, dann drohen Naturschutzanlagen und die dafür notwendige Akzeptanz der Einheimischen langfristig auf der Strecke zu bleiben.

Außerdem sind Großschutzgebiete eine westliche Idee, die den Einheimischen quasi aufgedrängt wurde, nachdem der Wildtierbestand drastisch reduziert wurde. Insofern ist die Beschäftigung Ortsansässiger in den Reservaten ein guter Schritt, um die kulturelle Distanz zu überwinden. Aber dieser gelingt halt nicht immer.

Wichtig dabei ist, dass die Einstellung der Einheimischen gegenüber verschiedenen Entwicklungsalternativen und ihrer individuellen Probleme hinsichtlich des Schutzgebietmanagements aufgearbeitet werden. Partizipative Planungsansätze müssen ernst genommen werden, ohne in „Zielgruppenfetischismus“ zu verfallen.

Der entwickelten Welt wird nur übrigbleiben, durch wirtschaftliche Transferleistungen eine auf vorhandene Potentiale beruhende, selbstbestimmte Regionalentwicklung der Umfelder peripherer Großschutzgebiete zügig voranzutreiben.

Ansonsten heißt die letzte Alternative: zoologischer Garten

  

Literatur

ANTON, J., GRÜN, V., ERDMANN, L. & WEIZENEGGER, S. (1999):

          The management of the Samburu National Reserve, Kenya. - unveröff. Manuskript,

          Bericht für die CDG, Trier

JOB, H. (1999):

          Probleme afrikanischer Großschutzgebiete – die Situation Kenias und das    

          Fallbeispiel Samburu National Reserve. - Petermanns Geographische

          Mitteilungen, 143/1, S. 3-15.

JOB, H. & WEIZENEGGER, S. (1999):

          Anspruch und Realität einer integrierten Naturschutz- und Entwicklungspolitik in den        

          Großschutzgebieten Schwarzafrikas.- In: MEYER, G. & THIMM, A. (Hrsg., 1999):

          Naturräume in der Dritten Welt, Bd.13, Mainz, S. 37-64.

 

 

zurück nach oben