Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Anne Katrin Meyer


 

 

Zur Verbreitung und Problematik von Neusiedlungsgebieten (Settlement Schemes) in den ehemaligen White Highlands von Kenya (am Beispiel des Laikipia-Plateaus)

  

 

 

1 Einleitung

2 Landnutzung und Besitzverhältnisse

     2.1 Ankauf durch die Regierung

           2.1.1 Governement Farms

           2.1.1 Settlement Schemes

     2.2 Ankauf durch private Personen oder Gesellschaften

     2.3 Ankauf durch "Companies" oder "Cooperatives"

3 Probleme des Small Scale Farming

     3.1 Ökologische Potentiale

     3.2 Sozio-Ökonomische Probleme

4 Lösungsansätze

Literatur

 

 

 

1 Einleitung

Das 10.000 qkm umfassende Laikipia-Plateau liegt zwischen 1600m und 2200m Höhe im östlichen Teil des kenianischen Hochlandes, im ehemaligen Gebiet der "White Highlands". Das Gebiet reicht von den Gebirgsmassiven der Aberdares und des Mt. Kenya in nordwestlicher Richtung bis an das Rift Valley und wird in nordöstlicher Richtung vom nordkenianischen Tiefland begrenzt. Klimatisch liegt das Plateau im Leebereich der Aberdares und des Mount Kenya, was zu ungünstigen Niederschlagsverhältnissen führt. Lediglich in den höhergelegenen Gebieten im Westen und Südosten belaufen sich die jährlichen Niederschlagssummen auf bis zu 1000mm.  Mit zunehmender Entfernung von den Gebirgen, also im Zentrum und im Norden des Plateaus, nehmen die Niederschläge immer weiter ab. Der überwiegende Teil des Distriktes erhält eine Jahressumme zwischen 500 und 700 mm. Dabei sind die Niederschläge auf mehrere Regenzeiten verteilt. Im östlichen Teil findet man eine bimodale Verteilung mit einer langen Regenzeit ("long rains") von März bis Mai und einer kurzen ("short rains") im Oktober und November. Der Westen wird von einer trimodalen  Verteilung mit den zusätzlichen Regenfällen im Juli und August geprägt, den sogenannten "continental rains"  (KOHLER 1988, S. 37). Der Norden und das Zentrum des Plateaus ist daher mit semi-aridem Grasland bestanden. Die agrarökologischen Zonen (AEZ) LH5 und UM6 (Ranching Zone) dominieren. Im Raum Nanyuki findet man aufgrund der zuvor geschilderten günstigeren Niederschlagsverhältnisse einen schmalen Streifen der AEZ LH4, die von trockenem Bergwald geprägt ist (JÄTZOLD / SCHMIDT 1982, S. 331).

 

2 Landnutzung und Besitzverhältnisse

In den letzten 100 Jahren erfuhr das Gebiet des Laikipia-Plateaus drei unterschiedliche Arten der Landnutzung. In vorkolonialer Zeit wurde das Gebiet von den Maasai nomadisch-viehwirtschaftlich genutzt. Um die Jahrhundertwende wurden sie von europäischen Siedlern verdrängt und das Gebiet wurde schließlich 1912 ein Teil der "White Highlands". Die White Highlands umfassten ein 300 Millionen Hektar großes Gebiet und in diesen sog. "Scheduled Areas" war es nur weißen Siedlern erlaubt, Land zu erwerben und Landwirtschaft zu betreiben. Die Afrikaner wurden in sog. Reserves verdrängt, lediglich auf weißen Farmen angestellte Afrikaner durften in diesem Gebiet leben. Die europäischen Siedler intensivierten die Landnutzung und veränderten sowohl die Bodennutzung als auch die Betriebsform. Seit den  30er Jahren betrieben sie sehr erfolgreich in ihren Großbetrieben ganzjähriges Ranching. In den niederschlagsreicheren Gebieten war auch die Kombination von Viehhaltung und Getreideanbau ("mixed farming", „Geld-Gras-Wirtschaft“) möglich.

Mit der Unabhängigkeit Kenyas im Jahre 1963  änderte sich die Situation der ehemaligen "White Highlands" fundamental. Die "Scheduled Areas" wurden abgeschafft und das Gebiet gezielt afrikanisiert. Dabei wurden die europäischen Siedler nicht enteignet, sondern die großen Betriebe wurden ihnen abgekauft. Als Käufer traten die öffentliche Hand, Einzelpersonen oder auch Partnerschaften aus der Oberschicht sowie "Cooperatives" und "Companies" auf (KOHLER 1988, S. 37). 

 

2.1 Ankauf durch die Regierung

Die durch die kenianische Regierung mit Hilfe britischer und deutscher Kredite abgekauften Grundstücke wurden zum einen in sogenannte „Government Farms“ umgewandelt und zum anderen wurde die Rückführung der Weißen Hochländer in afrikanischen Besitz mit Hilfe der sogenannten "Settlement Schemes" organisiert.

 

2.1.1 Governement Farms

Bei den „Government Farms“ wurden die Farmgrößen beibehalten und die Produktion marktwirtschaftlich ausgerichtet. Im Laikipi-Distrikt befanden sich 1988 insgesamt 8,5% der Fläche in staatlichem bzw. halbstaatlichem Besitz, wobei sich diese auf nur zwei Organisationen aufteilte.  Die "Agricultural Development Corporation“ (ADC) betreibt in Mutara den nationalen Zuchtbetrieb für Boranrinder. Die andere Organisation, die "Livestock Marketing Division" unterstand dem Land- und Viehwirtschaftsministerium und war eine Art Viehsammel- und -verschickungsstelle. In den 80er Jahren ist der Viehhandel allerdings zum Erliegen gekommen (KOHLER 1988, S. 38).

 

2.1.2 Settlement Schemes

Im Rahmen des bekanntesten Siedlungsprogramms der öffentlichen Hand, dem "One Million Arcre Settlement Scheme" wurden insgesamt rund eine halbe Million Hektar Land aufgekauft und in Kleinsiedelstellen aufgeteilt. Dies entspricht ca. 20% der Fläche der „White Highlands“. Das Programm begann kurz vor der Unabhängigkeit 1961/1962 und lief Ende der 70er Jahre aus. Die Siedlungsprojekte verfolgten insbesondere eine Intensivierung der Landnutzung sowie eine Verbesserung der Anbaumethoden, die Stillung des durch den enorme Bevölkerungszuwachs hervorgerufenen Landhungers, die Reduzierung der Arbeitslosigkeit, die Aufhebung des Dualismus zwischen den Kleinbauerngebieten in den ehemaligen Reserves und den Großfarmgebieten in den ehemaligen „White Highlands“, sowie die Regulierung des Grundstücksmarktes und die Verhinderung der wilden Spekulation. Im Laikipia-Distrikt  wurden die ersten "Settlement Schemes" erst 1967/1969 durchgeführt. Sie sind im Vergleich zu anderen Gebieten eher von geringer Bedeutung und machen nur 3% der Distriktfläche aus. Dies liegt darin begründet, dass nur wenige Flächen vorhanden waren, die den Anforderungen für die Durchführung von "small scale settlement schemes" genügten. Es wurde darauf geachtet, dass die Parzellen den Siedlern eine gesicherte Existenz bieten konnten; das bedeutet Subsistenzwirtschaft plus eine gewisse Marktproduktion für zusätzliches Bareinkommen.

Die Siedlungsgebiete wurden entsprechend ausgewählt und die Größe der Betriebsflächen festgelegt. Die Größe beträgt bei den älteren Projekten zwischen 15 und 30 acres (6-12 ha), wobei die Niederschlagsmenge und -variabilität die entscheidenden Größen darstellten. Die Siedlungsprojekte im Laikipia-Distrikt konzentrieren sich daher auf das im Westen gelegene niederschlagsreichere Gebiet um Nyahururu bis in das nordwärts gelegene Ngarua/Ol Arabel-Gebiet. In den nachfolgenden drei „Settlement Schemes“ um 1978 sind die landwirtschaftlichen Risiken jedoch sehr viel stärker ausgeprägt. Im "Marmanet Forest Extension Scheme" nördlich von Nyahururu droht aufgrund stark ausgeprägter Reliefierung großflächige Bodenerosion. In den  Schemes bei Ndindika und Kalalu gefährden zu geringe Niederschlagsmengen sowie starke Niederschlagsvariabilitäten das Prinzip der "Subsistenzwirtschaft  plus Zusatzeinkommen".  Die Betriebsgrößen liegen bei durchschnittlich 2 ha und sind damit für die angestrebte Selbstversorgung mit den Methoden des "small scale farming" zu gering. Das ursprüngliche Ziel der Schaffung eines sicheres Auskommens ist somit in den Hintergrund getreten. Aufgrund des immer größer werdenden Landhungers, stieg der politische Druck zunehmend, und man versuchte somit so viele Menschen wie möglich Land zur Verfügung zu stellen. Darüber hinaus lässt die Tatsache, dass im Jahre 1979 die Parlamentswahlen anstanden, die Vermutung zu, dass wahltaktische Überlegungen eine Rolle spielten und die Schemes von 1978 eher eine politische Kampagne denn wohl überlegte Siedlungsprogramme waren (KOHLER 1988, S. 40).

 

2.2 Ankauf durch private Personen oder Gesellschaften

Mit dem  "Land Control Act" von 1967 ist es nur noch  kenianischen Staatsbürgern oder Gesellschaften erlaubt Land zu erwerben. Die aufgekauften Großfarmen werden dabei entweder unter der Leitung eines Manager weiterbetrieben oder in kleine Parzellen aufgeteilt, welche dann an Kleinbauern weiterverkauft werden (vgl. KOHLER 1988, S. 40).

 

2.3 Ankauf durch "Companies" oder "Cooperatives"

Die öffentliche Hand war aus finanziellen Gründen zu keiner Zeit in der Lage, den Landhunger durch ihre Siedlungsprogramme zu stillen. Daher griff die Bevölkerung, unterstützt von der politischen Führung Yomo Kenyattas, zur Selbsthilfe, das sogenannte "Harambee" („Zusammenarbeit“ in Swahili). Interessierte Einzelpersonen bildeten Kooperationen oder auch Kompanien (Aktiengesellschaften), die dann als Käufer auftraten. Bei fehlendem Kapital erhielten die Gruppen häufig von der Regierung Kredite. Eine rechtsgültige Aufteilung des Landes war jedoch erst nach Tilgung der Kredite möglich. So lange blieb das Land eine Großparzelle, die spätere Aufteilung  unter den Mitgliedern der Kooperative / Kompanie erfolgte anteilsmäßig nach dem eingebrachten Kapital. Im Laikipa-Distrikt ist diese kleinbäuerliche Besiedlung mit 1/4 der Fläche der bedeutsamste Anteil des afrikanischen Landbesitzes. Die Gebiete erstrecken sich im Osten entlang des Mt. Kenya, im Westen an den Hängen der Aberdares und reichen bis in den nordwestlichsten Teil des Laikipia-Plateaus. Infolge der geringeren Niederschläge weisen diese Gebiete eine niedrigere Standortgunst auf, als die Gebiete der Settlement Schemes (vgl. KOHLER 1988, S. 41).

 

3 Probleme des Small Scale Farming

3.1 Ökologische Potentiale

Die geringen und dazu noch unregelmäßigen Niederschläge bilden das größte ökologische Problem im Laikipia-Distrikt. Eine Zusatzbewässerung ist aufgrund des knappen Oberflächenwassers nicht möglich, so dass nur Regenfeldbau betrieben werden kann. Die Gebiete sind jedoch unter den gegenwärtigen Bedingungen des „small-scale-farming“ für den Regenfeldbau größtenteils nicht geeignet. Durch die Intensivierung des Landnutzung auch in den Ungunstgebieten wird somit das Anbaurisiko extrem erhöht und somit eine Verringerung der Versorgung der Kleinbauern hervorgerufen (FLURY 1987, S. 1 und 13). Das Gebiet verzeichnet eine steigende Bevölkerungsdichte und stellt ein Defizitgebiet bezüglich der Nahrungsmittelproduktion dar. Kaum mehr als 50% des Nahrungsmittelbedarfs der Bevölkerung kann durch die regionale Produktion gedeckt werden, so dass Lebensmittel von der Bevölkerung aus zusätzlichem Einkommen gekauft werden müssen (FLURY 1987, S. 40)

 

3.2 Sozio-Ökonomische Probleme

Im Hinblick auf das geringe ökologische Potential des Gebietes sind die Parzellengrößen im „Small-Scale-Gebiet“ meist zu gering. Dies gilt sowohl für das Gebiet der staatlichen Siedlungsprogramme also auch das der Kooperativen / Kompanies. 

Darüber hinaus stammen die meisten Neusiedler des Laikipia-Distriktes ursprünglich aus ökologischen Gunsträumen. Sie pflegen jedoch weiterhin ihre traditionellen Anbaumethoden und -früchte, die nun jedoch schlecht an das Klima angepasst sind und das Risiko der Ernteausfälle zusätzlich erhöhen (FLURY 1987, S. 18).

Allgemein  leiden die „Small-scale-Siedler“ unter Kapitalmangel. Dies verhindert zum einen eine optimale Ausnutzung des ökologischen Potentials, da Investitionen unmöglich werden und zum anderen führt dies zu den nicht existenzsichernden kleinen Parzellen. Bevor es zu einer Aufteilung kommt, steht häufig das Problem, dass die Gesellschaften erst nach Tilgung der eventuellen Kredite die offiziellen Eigentümer werden können. Somit können auch erst dann die Siedler zun den rechtmäßigen Eigentümern werden. Ohne diesen rechtsgültigen Grundbesitz erhalten die Kleinbauern wiederum keine Kredite für die Entwicklung ihres Betriebes. Die Mitglieder der Gesellschaften können sich bei der Aufteilung meist nur einen sehr geringen Flächenanteil leisten und erhalten so meist nur eine Parzelle mit einer durchschnittlichen Größe von ca. 0,2 - 2,4 acres (KOHLER 1988, S. 44). Eine aus eigentumsrechtlichen Gründen nun mögliche Inanspruchnahme eines Kredites wird dann wiederum häufig durch die Kopplung der Kreditvergabe an eine Mindest-Farmgröße verhindert (FLURY 1987, S. 21).

 

4 Lösungsansätze

Die Parzellen im „Small-Scale-farming-Bereich“ müssten radikal vergrößert werden, um der Viehhaltung genügend Platz zu bieten und so die Existenz der Kleinbauern in Trockenjahren zu sichern. In den Gebieten, wo eine Vergrößerung der Parzellen nicht möglich ist, müsste verstärkt auf Futteranbau und (Kleinvieh-)Stallhaltung gesetzt werden. Grundsätzlich müsste also das Prinzip des „mixed-farming“ verfolgt werden. Auch dem ökologischen Raum angepasste und stärker diversifizierte Kulturpflanzen müssten stärker eingeführt werden und darüber hinaus müssten die Möglichkeiten der Vorrats- und Lagerhaltung  verbessert werden (FLURY 1987, S. 41).

Ein sehr bedeutsamer Punkt ist, dass aufgrund der unsicheren sozio-ökonomischen Situation, das Einkommen durch "Off-Farm-Einkünfte" gesichert werden muss. Dies ist bei ca. 80% der Haushalte bereits der Fall. Die Nebeneinkommen werden aus Anstellungen, selbständiger "Off-Farm"-Arbeit, Gelegenheitsarbeiten und Überweisungen von Verwandten bezogen. Teilweise wird das Einkommen auch durch illegale Geschäfte erwirtschaftet (FLURY 1987, S.13,41).

 

 

Literatur

·          FLURY, M. (1987): Rain-fed agriculture in the Central Division / Laikipia District, Kenya.- (=African Studies Series A 6), University of Berne, Bern

·          JÄTZOLD. R. / SCHMIDT, H. (1982): Farm management handbook of Kenya- Vol.IIB.-Nairobi/Roßdorf

·          KOHLER, T. (1988): Landbesitz und Landnutzung im Laikipia Distrikt, Kenya.- Erdkunde, 42,  37- 49

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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