Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Jesus Rodriguez Gonzalez


 

Das Integrated Food Security Program – Eastern Province (IFSP – E) der GTZ in Mwingi,  Ostkenya

   

1 Einleitung und Allgemeines zum Mwingi District

     1.1 Die dringlichsten Probleme im Mwingi Distric t

2 Das Integrated Food Security Program – Eastern Province (IFSP-E) der GTZ

     2.1 Die Ziele und Projektschwerpunkte des IFSP-E

     2.2 Aktivitäten des IFSP-E

3 Schlussbemerkung

Literaturverzeichnis


1 Einleitung und Allgemeines zum Mwingi District

Der Verwaltungsdistrikt Mwingi wird in acht Divisions gegliedert und besitzt eine Gesamtfläche von circa 9.700 km². In ihm leben in etwa 330.000 (Zahl geschätzt, 1989: 242.000) Einwohner auf 45.000 Haushalte verteilt. Der Lebensunterhalt wird von den meisten Menschen durch Landwirtschaft bestritten, daneben spielt die Viehhaltung noch eine Rolle.

Das Klima ist arid bis semi-arid mit ganzjähriger Trockenheit. Die Temperaturen schwanken im Jahresgang zwischen Tmin=14°-16° und Tmax=26°-34°, der jährliche Gesamtniederschlag varriiert zwischen ca. 500 und 750 mm. Der Niederschlag ist allerdings durch eine hohe Variabilität in der Niederschlagsmenge und einer hohen Ausfallwahrscheinlichkeit charakterisiert und bietet dadurch keine besonders hohe Verlässlichkeit. Die nachfolgende Tabelle zeigt eine Übersicht über die größten Dürren in Kenya in den letzten 50 Jahren.

Abb. 1: Dürren in Kenya seit 1947

 

(Quelle: verändert nach ENGEL, 1998,  S. 4/5)

  

1.1 Die dringlichsten Probleme im Mwingi District

Wie aus der Abbildung 1 erkennbar ist, wurde der Distrikt Mwingi seit Mitte dieses Jahrhunderts von nahezu jeder größeren Dürre in wesentlichem Maß getroffen. Es ist also kaum verwunderlich, dass die dringlichsten Probleme dieser Region ursächlich mit den nachteiligen  Klimaphänomenen zusammenhängen.

·        An erster Stelle zu nennen ist sicherlich die akute Wasserknappheit. Die vorhandenen Wasserquellen sind meist nicht ganzjährig verfügbar. Zudem sind die wenigen ganzjährigen Quellen nicht in unmittelbarer Umgebung aller Siedlungen. Erschwerend kommt hinzu, dass sie oft von mangelnder Qualität sind, so dass durch Wasser übertragbare Krankheiten Vorschub geleistet wird.

·        Von nicht geringerer Bedeutung ist die mangelnde Nahrungsmittelversorgung. Diese ist nicht nur von den schon genannten Klimaverhältnissen abhängig, sondern es kommt erschwerend hinzu, dass oft nicht-angepasste Nutzpflanzen genutzt werden. Meist bringen diese bei Wasserstress eine erheblich vom Ertragsoptimum abweichende Ernte ein. Teilweise kann dies auch zu kompletten Ernteausfällen führen. Die eingeschränkte Auswahl an Saatgut tut ihr übriges dazu. Viele Bauern können sich das für ihre Klimaverhältnisse angepasste und optimierte Saatgut oft aus finanziellen Gründen nicht leisten.

Durch übermäßigen Düngemitteleinsatz versuchen die Bauern die Nährstoffversorgung auf ihren Parzellen zu verbessern, meist allerdings kommt es zu den bekannten Effekten der Überdüngung und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Umwelt. Durch den zunehmenden Druck auf die landwirtschaftlichen Nutzflächen werden die für die Bodenerosion schon vorher anfälligen Böden überbeansprucht und weiter degradiert.

Ein wesentlicher Problem für Viehhalter sind vor allem die Viehkrankheiten. Es fehlt an veterinärmedizinisch geschultem Personal, so dass es zu keiner Früherkennung und Behandlung von Viehkrankheiten kommt. Dies mindert die Leistungsfähigkeit des Viehbestandes oder führt zum Verlust von Vieh.

 Die nachfolgenden Problemfelder fallen alle in die sozio-ökonomische Infrastruktur. Für uns Selbstverständliches führt hier in Kenya, wie auch in den meisten anderen Weniger Entwickelten Ländern, zu erheblichen Problemen, teilweise wirken sie auch verstärkend auf schon vorhandene Probleme und Defizite.

·        Die medizinische Grundversorgung ist für den ganzen Mwingi District nicht gewährleistet. Es mangelt sowohl an Medikamenten, Ärzten, medizinischem Personal als auch an Krankenhäusern. Die vorhandenen medizinischen Einrichtungen sind weder für jedermann zu erreichen noch für jedermann zu bezahlen. Hinzu kommt, dass es einem Großteil der Bevölkerung an Gesundheitsbewusstsein fehlt. Das erschreckendste und eindeutigste Beispiel hierfür sind die AIDS-Infektionsrate und –Sterbefälle. Dieser Missstand wird vor allem dadurch hervorgerufen, dass die Bevölkerung nicht ausreichend informiert wird und, was vielleicht schwerer wiegt, der geringe Bildungsstand.

·        Die mangelhafte Bildung der Bevölkerung ist an der hohen Analphabetenrate unter Erwachsenen gut zu erkennen. Hervorgerufen wird dies durch die geringe Anzahl von Schulen und schulähnlichen Einrichtungen, die, wenn vorhanden, nur über mangelhafte Installationen verfügen. Auch die Ausbildung und Qualifikationen des vorhandenen Lehrkörpers lässt zu wünschen übrig. Es gibt zudem eine hohe Zahl von  frühzeitigen Schulabgängern und –abbrechern. Bei vielen Mädchen hängt dies oft mit einer Schwangerschaft in früher Jugend zusammen. Die hohen Schulgebühren führen dazu, dass viele Familien es sich nicht leisten können, mehr als ein Kind in die Schule zu schicken. Oft wird dieses Kind bei finanziellen Engpässen von der Schule genommen.

 

2 Das Integrated Food Security Program – Eastern Province (IFSP-E) der GTZ

Das IFSP-E wurde 1994 in Leben gerufen als Sofortprogramm gegen die sich ausbreitende Hungersnot, die durch die verlängerte Dürre von 1992 hervorgerufen wurde. Zusätzlich sollte die chronisch mangelhafte Nahrungsmittelversorgung des Distriktes verbessert werden. Das Programm wurde in zwei Phasen aufgeteilt:

 In der ersten Phase (Oktober 1994 bis Dezember 1998) wurden die notwendige Infrastruktur, Kommunikation und Kooperationen aufgebaut und organisiert. Anschließend wurde in ausgewählten Bereichen das Projekt aktiviert und getestet.

In der zweiten Phase (Januar 1999 bis voraussichtlich Dezember 2001) wurde das Programm auf den ganzen Mwingi District ausgeweitet.

 Mit in das Programm integriert sind die kenyanischen  Ministerien für Landwirtschaft und für ländliche Entwicklung, daneben mehrere NGOs, die sich auf FOOD FOR WORK-Projekte konzentrieren. Zusätzlich wurden die in Kenya noch laufenden Projekte der GTZ im Bereich Ländliche Entwicklung und „Small Town Development Programme“ miteinbezogen.

 

2.1 Die Ziele und Projektschwerpunkte des IFSP-E

Das erklärte Ziel des IFSP-E ist  zum einen die Nahrungsmittelversorgung zu verbessern und gleichzeitig den Grundstein für eine nachhaltige und stetige Nahrungsmittelversorgung aus eigenen Kräften zu legen.

 Um die Programmziele zu erreichen, werden zwei Strategien verfolgt:

 Die betroffene Bevölkerung soll zur aktiven Teilnahme angeregt und motiviert werden. Beim PRA-Ansatz (Participatory Rural Appraisal)  wird die Bevölkerung angehalten, Projekte und Maßnahmen vorzuschlagen. Sowohl bei der Planung und Durchführung, als auch bei der abschließenden Evaluierung wird die Bevölkerung in die Projektabschnitte und –prozesse aktiv mit eingebunden.

 Arbeitsleistungen werden vom IFSP-E nicht bezahlt. Der Einsatz und die Teilnahme an den meisten Projekten werden durch FOOD FOR WORK vergütet. So wird die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung verbessert und gleichzeitig wird dadurch gewährleistet, dass genügend Arbeitskräfte zu Projektdurchführungen vorhanden sind. Die Lebensmittel werden nicht nur aus Projektmitteln bezahlt; einen großen Teil steuern internationale Hilfsorganisationen bei, so dass die GTZ vor Ort für die Verteilung zuständig ist.

 

2.2 Aktivitäten des IFSP-E

Die folgenden Projekte stellen nur eine Auswahl der Aktivitäten dar, die durch das IFSP-E geplant, durchgeführt oder mitunterstützt wurden oder werden.

 Drought Monitoring and Emergency Prepardness:  Ziel ist es, bevorstehende Dürren zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten, um die Auswirkungen auf die Bevölkerung abzufedern. Hierzu wurden im ganzen Distrikt 36 “Drought Monitors“ ausgebildet und ausgestattet. Diese erstatten monatliche Berichte an ihre übergeordneten Stellen. Diese Berichte werden dann mit anderen relevanten Daten gebündelt und ein monatlicher Bericht erstellt.

 Gesundheit und Ernährung: Es wurden auf lokaler Ebene Gesundheitsaufklärungs- und Ernährungsberatungsstellen aufgebaut. Hierzu wurden insgesamt 277 “Health Workers“ ausgebildet und unterstützt sowie 8 Gesundheitszentren gebaut.

 Landwirtschaft und Viehhaltung: Durch Ausbildung und Unterstützung von lokalen Saatgutproduzenten soll die lokale Versorgung mit verbessertem Saatgut erfolgen. Daneben wurden verschiedene zentrale Erntespeicher aufgebaut, um zu verhindern, dass ein Großteil der Ernte weiterhin in den einfacheren Speicher verschimmelt bzw. gefressen wird. Für die Viehhalter wurden veterinärmedizinische Dienste auf Gemeindeebene aufgebaut. Das  Hauptaugenmerk liegt hierbei auf der Unterstützung von 21 Ausbildern und 26 semi-professionellen Veterinärassistenten („Wasaidizi“).

 Wasserversorgung: Es wurden insgesamt 159 neue Wasserstellen oder –quellen neu erschlossen, vorhandene Wasserstellen ausgebaut oder verbessert. Zusätzlich wurde Personal für die Wartung und Instandhaltung ausgebildet.

 

3 Schlussbemerkung

Aufgrund der anhaltenden Dürre und der dadurch bedingten Nahrungsmittelknappheit findet ausländische Hilfe hauptsächlich als Nahrungsmittellieferungen statt. Dadurch können die integrierten Projektaktivitäten des IFSP-E in der Bevölkerung kaum greifen und nachhaltige Wirkung zeigen.

Denn ein nicht geringer Teil der betroffenen Bevölkerung verlässt sich darauf, dass in Notsituationen ausländische Hilfe verfügbar ist, und bringt wenig Motivation auf, sich ernsthaft an Projektaktivitäten zu beteiligen.

 

Literaturverzeichnis

ENGEL, B. (1998): Possibilities of optimising planning processes in integrated food security programmes of the tropics by using GIS.- unveröffentliche Diplomarbeit Universität Trier

 

 

 

 

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