Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: M. Müller


 

Wirtschafts- und Siedlungsstrukturen der Kamba

 

1. Die Kamba-Ethnie und ihr Siedlungsgebiet

2. Siedlungsgeschichte

3. Wirtschaftsstrukturen

Literatur

 

1. Die Kamba-Ethnie und ihr Siedlungsgebiet

 Die Kamba (auch Akamba oder Wakamba) stellen mit 11% der Gesamtbevölkerung Kenyas die viertgrößte Ethnie des Landes dar. Ihr Siedlungsgebiet müssen sie nur mit sehr wenigen Vertretern (maximal 10%) anderer Völker teilen. Es erstreckt sich im Wesentlichen auf vier Distrikte der Ostprovinz: Mwingi im Norden, Kitui im Osten, Machakos im Westen und Makueni im Süden, Es wird naturräumlich damit etwa zwischen dem Oberlauf des Tana River und der Chyulu Range im Süden umgrenzt, im Westen von den Ausläufern der Machakos-Berge bis an die Grenzen des Tsavo-Nationalparkes im Südosten.

Geprägt wird die Naturausstattung dieses Gebietes durch zwei agrarisch unterschiedlich nutzbare Räume (Tiffen et al., 1993):

§         die Berg- und Hügelländer von Machakos (v.a. Distrikt Machakos, der Westen der Distrikte Kitui und Makueni)

§         die flachen Tieflandbereiche (Distrikte Mwingi, Kitui, Ost-Makueni).

Erste weisen infolge ihrer Exposition gegenüber dem Südostpassat günstige Niederschlagsbedingungen auf. Wenngleich auf sandig-lehmigen Böden wegen der Hangneigungen ein eher instabiler Bodenwasserhaushalt herrscht, können die meisten Flächen unter AEZ LH/UM 2 bis 4 eingestuft und damit als "medium-potential-areas" bezeichnet werden.

Anders die Tieflandbereiche: Diese sind durch extrem unregelmäßige und unzuverlässige Niederschläge gekennzeichnet, wodurch der Ackerbau selbst unter Anwendung wasserkonservierender Maßnahmen nur mit einem hohen Risiko betrieben werden kann. Nährstoffarme Ferralsole sind weit verbreitet. Von wenigen Ausnahmen um Inselberge herum, sind die Tiefländer unter AEZ LM/L 4 bis 6 zu klassifizieren, in denen Agropastoralismus und extensive Weidewirtschaft zu empfehlen ist (AEZ 6=Ranching Zone, bereits jenseits der agronomischen Trockengrenze). Die natürliche Vegetation sind die Trockensavanne (AEZ 4) und die Dornsavanne (AEZ 5 u. 6).

 

2. Siedlungsgeschichte

 Noch im 18. Jahrhundert, in einer Zeit also sehr spärlicher Besiedlung Ostafrikas, wurden die Vorfahren der Kamba aus den fruchtbareren Hochländern Kenyas, vermutlich durch Kikuyus und/oder Massai in ihre heutiges Siedlungsgebiet, schwerpunktmäßig in die Machakos- Berge, verdrängt. Mit der ihnen nachgesagten Innovationsfreudigkeit entwickelten die Kamba schnell einen an ihre Siedlungsweise angepaßten Agropastoralismus.

Die Grenzen der einzelnen Kamba-Distrikte wurden von der englischen Kolonialregierung just in einer Zeit gezogen, da die Bevölkerungzahl - damals noch auf einem deutlich niedrigeren Niveau - durch eine ernste Dürre dezimiert war (Tiffen et al., 1993). Die europäisch besetzten Crownlands, die einzigen, agrarökologisch höherwertigen Ländereien im Westen, standen nicht mehr als Reserveweiden zur Verfügung. Das Kernland der ersten Besiedlung, die Mbooni Hills in Zentral-Machakos, erreichte, forciert durch Dürren und Landdegradationen, schnell die Tragfähigkeitsgrenze, so daß es zu Auswanderungswellen nach Nairobi und in die Trockengebiete im Nordosten, Osten und Süden kam (O‘Leary,  1984). Diese Abwanderung kann jedoch nur z.T. als echte, auf Dauer angelegte Migration bezeichnet werden, da der Wille zur Rückkehr bzw. zum Pendeln (im wöchentlichen bis mehrmonatlichen Rhythmus) groß ist (Tiffen et al., 1993).

 Die Bevölkerungszuwächse lagen Ende des 20. Jhd. mit über 2,7-3,7% pro Jahr (nur Machakos-Distrikt) leicht über dem kenianischen Durchschnitt mit einem Höhepunkt Ende der siebziger Jahre (Tiffen et al., 1993).

Ab den 70er Jahren wurden staatlicherseits die Bemühungen um Kanalisierung und Lenkung wenigstens eines kleinen Teils der Abwanderung in Form von `Settlement Schemes´ im semiariden Vorland sowie im Küstengebiet und -hinterland verstärkt. Deren Lage und Infrastruktur läßt zwar zu wünschen übrig, doch nötigt der Bevölkerungsdruck zur Annahme dieser Siedlungsweise. So findet man heute sogar in den Siedlungsgebieten des Küstenbereiches große Gruppen von Kamba.

 

3. Wirtschaftsstrukturen

 Obwohl die Kamba auch über eine lange Tradition als Händler zwischen Küste und Hochländern verfügen, spielt die Landwirtschaft noch immer die zentrale Rolle im wirtschaftlichen Geschehen dieses Bantu-Volkes. Die Kamba gelten in Anpassung an ihren Lebensraum als ausgesprochene Agropastoralisten, - mehr pastoralistisch in den Flachländern, stark ackerbaulich orientiert in den Machakos-Bergen.

Die weitaus meisten Kamba betreiben Subsistenzwirtschaft auf ihrer Shamba. Mais stellt, wo dies möglich ist, die Hauptanbaufrucht und auch Ernährungsbasis dar, im trockenen Osten (AEZ 4-6) sind es eher die angepaßteren Sorghum- und Hirsearten. Dort spielen indigene Arten von Ziegen, Schafen und Rindern (in dieser Reihenfolge) die tragende Rolle (O‘Leary, 1984). Bohnen, gerne im 'Intercropping‘ mit Stickstoffzehrern (Mais) angebaut, bilden das zweite Standbein der Ernährung und ergänzen sie mit wichtigen Proteinen, zumal auf tierisches Eiweiß aus Kostengründen selten zurückgegriffen werden kann. In den Hügelländern ist in bescheidenem Umfang und unter gezieltem Düngeeinsatz sogar Kaffee und Baumwolle kultivierbar.

Wie jedes Bantuvolk halten auch die Kamba Hühner und gelegentlich auch anderes Geflügel auf ihrer Farm. Verkauft werden allerdings vorwiegend Ziegen. Ihr Preis schwankt weniger stark als der von Rindern. Außerdem überstehen Ziegen Trockenphasen besser und eignen sich gut als relativ preisstabile, finanzielle Reserve in Notzeiten. Der scheinbare Vorteil ihrer Genügsamkeit wirkt sich jedoch oft auch negativ in Form von Überweidungsschäden aus.

 In den Kamba-Distrikten selbst gibt es nur eine sehr unterentwickelte Industrie, vorwiegend um Machakos-Stadt.

Viele Männer verdienen ihr Geld in Nairobi im Dienstleistungssektor. Hier sind sie vor allem als Fahrer oder Watchmen geschätzt. Man sagt ihnen Zuverlässigkeit, Fairneß und Genügsamkeit nach, Eigenschaften, die man auch in der Industrie Nairobis schätzt. Viele der Arbeiter und Angestellten, da sie häufig noch immer mit ihrem Stammland durch Clanstrukturen verbunden sind, leisten durch ihren Kapitaltransfer einen Beitrag zur Wirtschaft im Kambaland selbst, falls sie nicht ohnehin pendeln.

Außer im Bustransportgewerbe gelang es den Kamba nicht, in „höheren Etagen“ der kenianischen Wirtschaft eine bedeutendere Rolle zu spielen. Großhandel und Industrie liegen nach wie vor in der Hand von Asiaten und Kikuyus. So findet man die Kamba eher in den unteren, wenn auch nicht untersten Schichten der Gesellschaft Nairobis. Doch nach wie vor herrscht eine beispiellose Landflucht, die durch 'Settlement Schemes‘ nicht aufgefangen werden kann (wer als Nairobi-Zuwanderer (ohne besondere Berufsqualifikation) nicht bei Bekannten unterkommen kann, ist auf Slumwohnungen angewiesen, womit sein soziales Schicksal fast schon besiegelt ist).

Der informelle Sektor nimmt, dem afrikanischen Trend folgend, weiter zu. Märkte spielen (immer noch) eine besondere Rolle im Sozial- und Wirtschaftsleben der Kamba. Sie stehen in der Tradition überregionaler Stammeszusammentreffen, bei denen sich Kitui- und Machakos-Kamba wirtschaftlich ergänzten, natürlich auch im sozialen Bereich austauschten. Hierbei brachten die Kambas der benachteiligten Flachlandbereiche vor allem die Produkte Vieh, Honig und Elfenbein auf den Markt, die Kambas der Hügelländer versorgten ihre Verwandten mit Baumfrüchten, Obst, Gemüse. Auf diese Weise entstand eine innerhalb des Clans, zuweilen sogar innerfamiliäre Aufgabenteilung im Agropastoralismus. Durch die heutige, rasante demographische und soziokulturelle Entwicklung bestehen Clanverbindungen zwischen Berg- und Flachlandbevölkerungen nicht mehr in gleichem Maß vital (O‘Leary, 1984).

 

Literatur:

Tiffen, M. & Mortimore, M. (1993): More people - less erosion. - New York et al.

O‘Leary, F. (1984): The Kitui Akamba. - Nairobi

 

 

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