Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat 

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Stella Neuhofen


 

Ökologie und Nutzung des Kakamega Forest, West-Kenya

 

1. Einleitung

2. Naturräumliche Aspekte im Kakamega Forest

     2.1 Klima

     2.2 Geologie und Böden

     2.3 Hydrologi

     2.4 Flora

     2.5 Fauna

3. Kulturräumliche Aspekte des Kakamega Forests

     3.1 Besiedlungsgeschichte

     3.2 Landwirtschaft und Viehhaltung

     3.3 Die medizinische Versorgung

     3.4 Tourismus

4. Fazit

Literatur

 

 

1. Einleitung

Der Kakamega Forest liegt im Westen Kenyas. Der größte Teil des Kakamega Forest gehört zum Kakamega-Distrikt und ein kleiner Teil im Süden zum Vihiga-Distrikt.

 Angrenzend an die östliche Seite des Gebietes ist das Nandi Escarpment, das 2.200 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Die Stadt Kakamega liegt im Westen der Region. Von dort aus ist es ca. 50 km bis nach Kisumu und zum Victoria-See. Vom Westen des Kakamega Forests sind es ca. 80 km bis zur Grenze Ugandas.

 

2. Naturräumliche Aspekte im Kakamega Forest

2.1 Klima

Das Klima ist eine der wichtigsten Faktoren in einem Ökosystem. Es beeinflußt die geomorphologischen Prozesse, Bodenentwicklung, Vegetationsarten, Produktionsrate und den Lebensunterhalt der Menschen.Ohne klimatische Veränderungen in der Vergangenheit würde es den Kakamega Forest so wie er heute ist, ein Relikt des „Guineo-Congolian-Rainforest“ aus dem Holozän, nicht geben.

 Am Ende des Pleistozän, als sich auf der ganzen Welt das Klima veränderte, nahmen Niederschlag und Temperatur in Afrika zu. In dieser Zeit expandierte der Wald von West- und Zentralafrika in Richtung Osten und bedeckte große Flächen des heutigen Uganda und Kenya. Während der ariden Phase zu Beginn des Holozäns nahmen die Waldflächen wieder ab.

 Im Neolithikum haben sich dort Nomadengruppen angesiedelt und durch ihr Seßhaftwerden verschwanden Teile des restlichen Waldes. Heute gibt es nur noch einige kleine Inseln des östlichen Teils des „Guineo-Congolian-Rainforest“. Diese Relikte findet man in einigen Teilen Ugandas, Zaires und in Kenya, nämlich im Kakamega Forest, gefunden.

 Der Kakamega Forest erhält mit über 2.000 mm mit die höchsten Niederschlagsmengen in Kenya. Die Bewegung der Luftmassen zwischen den zwei Temperaturgürteln der nördlichen und der südlichen Hemisphäre in der Innertropischen Konvergenzzone (ITCZ) versorgt den Distrikt mit drei Regenphasen:  Die „Long rains“ beginnen im März und enden im Juni und die „Continental rains“ setzen im Juli ein und enden im September. Die „Short rains“ schließlich dauern von Oktober bis Januar.

 Die tropischen Konvektionsniederschläge beeinflussen das Wetter der Region Kakamega nur zu einem kleinen Teil. Vor allem der Victoria-See steuert die Wolken- und Niederschlagsbedingungen dieser Region mit seinem eigenen Zirkulationssystem von Luftmassen:

Nachmittags trifft der Seewind auf den Passat und die Luftmassen – gesättigt mit Wasser – steigen auf. Die Luftmassen bewegen sich vom Victoria-See mit der Luftströmung in Richtung Norden und brechen in heftigen Gewittern aus, die häufig eben nachmittags oder abends zu beobachten sind.

Die trockene Jahreszeit hat sich sehr schwach entwickelt (meist im Februar) oder fehlt sogar total – besonders im Nord-Sommer.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 1: Niederschlagsverteilung an der Kakamega Forest Station (aus: HAUPT, 2000, Fig.1)

 

Die stärksten Niederschläge gibt es im April, Mai und August, die trockensten Monate sind Januar und Februar, wobei es keine wirkliche Trockenzeit zwischen den Hauptniederschlagsperioden gibt (siehe Abb. 1).

 Die jährliche Ø-Niederschlagsmenge ist ca. 2.000 mm, wovon 2/3 zwischen den Monaten März und August fällt. Der Kakamega Forest spielt eine wichtige Rolle in Bezug auf den Niederschlag und die Abfluß-Charakteristika im Westen Kenyas.

 Aufgrund des Klimas ist die Luftfeuchtigkeit hoch und die Evaporationsspanne liegt zwischen 1.600 mm und 1.800 mm. Die Temperatur des Kakamega Forests wird beeinflußt von der Höhe zwischen 1.520 und 1.680 m.

Die Jahresdurchschnittstemperatur liegt mit geringen Abweichungen zwischen Maxima von 24° C und 28° C  und Minima von 10° C und 13° C. Die Jahresmitteltemperatur variiert zwischen 18° C und 21° C.

Aufgrund der tropischen Bedingungen sind die Tagestemperaturschwankungen größer als die Jahrestemperaturschwankungen. 

JÄTZOLD und SCHMIDT haben verschiedene agro-ökologische Zonen im Kakamega Forest ausgewiesen (siehe Abb. 2):                          

UM 0              =          Waldzone, die zu naß ist für den Anbau annueller Kulturpflanzen

UM 1              =          Tee-Kaffee-Zone, mit guten Ernteertragsbedingungen mit zwei oder sogar drei Erntezeiten im Jahr (für annuelle Kulturpflanzen).

LM 2               =         Marginale Zuckerrohrzone. Sie hat für annuelle Kulturpflanzen (z.B. Mais) eine ertragsstarke Ernte und wird gefolgt von einer eher schwachen Ernte.

UM 2 – 3        =          Marginale Kaffeezone. Sie hat für annuelle Kulturpflanzen eine  mittlere bis lange Vegetationsperiode und wird gefolgt von einer kurzen.

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abb. 2: Agro-ökologische Zonen (AEZ) im Kakamega-Distrikt (aus HAUPT, 2000, Map 2)

Auch wenn das Klima sehr günstig erscheint, hat der Boden dennoch einen eher geringen Nährstoffgehalt und ist für den Anbau von Pflanzen nur mäßig geeignet.

 

2.2 Geologie und Böden

Der Kakamega Forest ist ein Teil des Nyanza Plateau. Morphologisch ist es eine Rumpffläche mit einer leichten Welle; besonders im nördlichen und östlichen Teil des Waldes neigt sie sich sanft in Richtung Victoria-See. Die Fläche des Kakamega Forests liegt zwischen 1.520 und 1.680 Meter. Entlang der nördlichen und östlichen Grenze des Forests findet man schmale Streifen von Granit-Gestein. Die schmale Ecke im Westen ist geformt vom Tertiär oder noch älteren Gesteinen, wie z.B. Basalt. In großen Teilen des Forests ist das darunterliegende Gestein Basalt, Phonolit oder Gneis, welche mit Gold-Quarz-Adern assoziiert sind. Diese Gesteine verursachen Ton- und sandigen Tonboden.

Die Suche nach Gold (und das kommerzielle Abholzen) wurden hauptsächlich von Europäern unternommen. Sie schlossen die einheimischen Siedler aus dem Gebiet aus. Der Ausbruch des 2. Weltkrieges stoppte das Goldschürfen kurzzeitig. Aber dennoch war es nicht richtig erfolgreich. Der Regenwaldboden hat ein sehr gutes Nährstoff-Recycling-System, wobei jegliches abgestorbene organische Material, hauptsächlich durch die Symbiose von Pilzen (Mykorrhizen) und den Urwaldbäumen wieder in die Zirkulation zurückgeführt wird. Deswegen ist der Wald nahezu unabhängig vom Boden. Er liefert sich seine Nährstoffe selbst.

 

 

 
 
 
 

 

 

 
 
 
Abb. 3: Kakamega Forest (aus: HAUPT, 2000, Map 1)

 

2.3 Hydrologie

Durch den Kakamega Forest fließen zwei große Flüsse: im Norden der Isiukhu River und im Süden der Yala River. Beide haben mehrere Nebenflüsse – hauptsächlich im östlichen Bereich des Forests (siehe Abb. 3).

Für das Victoria-See-Becken ist der Kakamega Forest ein Haupteinzugsgebiet für Wasser.

 

2.4 Flora

Der Kakamega Forest hat ein enorme Artenvielfalt. Die Bäume hängen voll mit girlandenartigen Schling-Pflanzen. Physiognomisch ist er in mehrere Stockwerke mit hochstämmigen Bäumen, mit heller Baumrinde, einzuteilen. (Manche Bäume werden bis zu 70 Meter hoch.)

Nur 0,1  bis 0,5 % des Sonnenlichtes erreichen den Regenwaldboden. Typischen Primärwald findet man durch die antropogenen Einflüsse im Kakamega Forest wenig. Durch starkes Abholzen, Kultivierung, Brandrodung und Weidelandnutzung ist die Größe des einheimischen Waldes drastisch zurückgegangen. Dadurch haben sich auch Struktur und Flora des Waldes stark verändert. Manche Spezies sind sogar vom Aussterben bedroht. Floristisch gesehen ist er verwandt mit dem äquatorialen Wald von West Afrika, Zaire und Uganda.

Die Artenvielfalt des Kakamega Forests zeigt sich besonders ist der Anzahl der gefundenen Pflanzen. Derzeit hat man 380 verschiedene Pflanzen registriert. Unter diesen sind allein 150 Holz-Bäume, Büsche und Kräuter. 170 Kräuter wovon 60 Orchideenarten sind und 60 weitere sind Farne.

Das Vordringen der lokalen Bevölkerung in den Kakamega Forest ist hauptsächlich auf die große Straße zurückzuführen, die von Kakamega Town durch den Wald bis nach Kapsabet führt (siehe Abb. 3). Diese Straße ermöglicht den Transport von Feuerholz und das Migrieren von Weidevieh.

 
2.5 Fauna

Die Fauna des Kakamega Forest ist ebenso vielfältig wie die Flora (Biodiversität): 367 verschiedene Vogelarten, 40 verschiedene Schlangenarten und ca. 7 Primaten sind bekannt. 

Besonders die Affen, z.B. der Schwarze und der Weiße Colobus oder der “de Brazza´s Monkey” sind vom Aussterben bedroht. Manchmal werden sie wegen ihrer Haut von den Luhya gejagt, die sie für bestimmte Riten nutzen. Aber auch das Fleisch wird von einigen als Delikatesse betrachtet. Und wenn sich ein Affe aus dem Wald in ein Dorf verirrt, ist das sein sicheres Todesurteil.

Andere Tiere, wie Wildschweine, Mungus oder Paviane beschädigen die Ernte, jagen domestizierte Tiere und sind somit ein Problem für die dort wohnende Bevölkerung.

Die ursprüngliche Gesamtfläche des Kakamega Forest betrug 24.000 ha. Durch das Einsammeln von großen Mengen an Feuerholz, durch Landwirtschaft und durch das Weiden großer Viehbestände hat der Wald große Flächen eingebüßt (siehe Abb. 4).

 

 

 

 

 

 

Abb. 4: Der Kakamega Forest und seine Ausdehnung vor 1900 und die Verkleinerung seit 1900 (aus: HAUPT, 2000, Map 5).

 Deshalb wurden 1967 eine Bereiche des Waldes unter Schutz gestellt:

Das Isecheno Nature Reserve (140 ha) und das Yala Nature Reserve (510 ha) (siehe auch Abb. 3). 1985 wurden zwei National Reserves festgelegt. Im nördlichen Teil Kisere (500 ha) und Buyangu mit 4000 ha (siehe auch Abb. 3).

Der nördliche Teil des Kakamega Forests (einschließlich der zwei National Reserves) kam 1991 unter die Verwaltung des „Kenya Wildlife Service“. Die Gebiete außerhalb der Reservate sind reserviert für die Forstwirtschaft, obwohl für den Abbau von einheimischen Hölzern eine Genehmigung vom Forstminister erforderlich ist.

 
3. Kulturräumliche Aspekte des Kakamega Forests
3.1 Besiedlungsgeschichte

Die Luhya sind der dominierende Stamm im Gebiet des Kakamega Forests. Die Grenzgebiete des heutigen Kenya und Uganda sind Verschmelzungspunkt für viele verschiedene ethnische Gruppen, wie die Bantu, die Süd-Kuschiten und die Süd-Niloten.

Diese unterschiedlichen Einwanderungswellen fanden zwischen 500 v.Chr. und dem 18 Jhd. statt. Seit Beginn des 19. Jhd. ist die Bevölkerung im Westen Kenyas ethnologisch und linguistisch ungefähr so strukturiert wie heute.

Die Bevölkerung des Kakamega-Distrikt wuchs von 488.000 Einwohner 1989 auf 642.000 Einwohner 1997.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte im Distrikt Kakamega betrug 1997 ca. 450 Personen pro km². Die hohe Bevölkerungsdichte resultierte unter anderem aus den kleinen Grundbesitzen durch die Realerbenteilung.

Obwohl das landwirtschaftliche Potential der Region hoch ist, reicht dies nicht alleine aus, um eine so hohe Bevölkerungszahl zu ernähren, ohne die Ressourcen bedrohlich stark abzuschöpfen. Alternative Arbeitsplätze in der Industrie und im Dienstleistungssektor sind unbedingt erforderlich.

Diejenigen, die im formalen Sektor arbeiten, sind bei Zuckerfabriken oder Mais-Mühlen angestellt. 11 % der Beschäftigten im Kakamega-Distrikt arbeiten im Öffentlichen Dienst als Lehrer oder Bedienstete. Nur ein sehr geringer Prozentsatz ist in finanziellen Instituten, im Handel, im Handwerk, in der Baubranche oder in anderen Dienstleistungen tätig.

18,4 % der Beschäftigten der Region Kakamega arbeiten im informellen Sektor. Sie arbeiten z.B. in Werkstätten oder auf dem Markt.

 
3.2 Landwirtschaft und Viehhaltung

Die Landwirtschaft ist das Haupteinkommen der Bevölkerung im Distrikt ca. über 70 % der Menschen arbeiten in diesem Sektor. Hauptsächlich bauen die Farmer Mais, Bohnen, Süßkartoffeln, Maniok und Bananen für den Eigenbedarf und für den lokalen Markt an. Andere bauen auch Gemüse, Sorghum, Fingerhirse und Papaya an.

Die sog. Cash Crops der Region sind Tee, Kaffee, Zuckerrohr und Sonnenblumen.

Viele Haushalte haben Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine oder Geflügel. Heute ist es den Farmern aber nicht erlaubt, in der geschützten Zone des Kakamega Forest ihr Vieh weiden zu lassen. Und in den nicht-geschützten Bereichen des Waldes kostet es einen Farmer 33 KSh pro Tier und Monat. Deshalb mußten viele Bauern ihr Vieh verkaufen. Grasmangel bildet ein großes Problem in der Region.

 

3.3 Die medizinische Versorgung

Die medizinische Situation im Kakamega-Distrikt ist ähnlich wie im ganzen Land. Auf 8.333 Menschen kommt ein Arzt. Die meisten Ärzte gibt es in Kakamega Town. Dort kommt ein Arzt auf 1.150 Menschen (siehe unten Tabelle 1).


Abb. 2: Gesundheitseinrichtungen des Kakamega-Distrikt (aus: HAUPT, 2000, Tab. 2)  

Aber in den ländlichen Gebieten sieht das wesentlich schlechter aus. In Shinyalu, dort wo sich der größte Bereich des Kakamega Forests befindet, liegt das Arzt / Patient-Verhältnis bei 1 : 15.800.

 
3.4 Tourismus

Obwohl die Anzahl der Touristen in den letzten Jahren stark gestiegen ist, sind die Besucher-zahlen im Gesamten doch noch eher gering. 1990 besuchten ca. 2.200 Touristen den Kakamega Forest. 1998 waren es schon 6.500 Besucher.

Aus den vorhandenen Daten kann man ersehen, daß ca. 27 % der Touristen Tagesbesucher waren. 58 % von den verbleibenden 73 % sind Übernachtungsgäste, die einfache Unterbringungsmöglichkeiten der Region genutzt haben. Bessere Übernachtungsmöglichkeiten wurden von 42 % der Übernachtungsgäste genutzt.

 
4. Fazit

Für die Region um den Kakamega Forest müssen schnell Strategien gefunden werden, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch effizient sind und vor allem die lokale Bevölkerung berücksichtigen. Dazu gehören z.B. die durch Eigeninitiative der lokalen Bevölkerung entwickelten Aktivitäten zur Förderung eines nachhaltigen Tourismus (KABICOTOA: Tour Guides) sowie zur Umweltbildung (KEEP: Kakamega Environment Education Program, seit 1996) und Rehabilitation des Waldes (z.B. durch Baumpatenschaften).

 

 

Literatur:

HAUPT, (2000):         Traditional use of and reliance on the forest among the Luhya people with special regard to the traditional medical system and the use of medicinal plants in Kakamega Forest, Western Kenya. - (= Materialien zur Ostafrika-Forschung, Heft 24), Trier.

 

 

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