Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat 

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Stephanie Schlageter


 

Naturräumliche und kulturräumliche Besonderheiten des Lake Turkana

 

 

1 Grunddaten des Lake Turkana

2 Naturräumliche Besonderheiten

3 Die Wiege der Menschheit

4 Heutige Bevölkerung am Lake Turkana

     4.1 Der Stamm der El Molo

     4.2 Die Turkana

Literatur

HOMEPAGES zum Lake Turkana

 

 

 

1 Grunddaten des Lake Turkana

Der Lake Turkana, der nördlichste der vielzähligen Great Rift Valley-Seen, entstand in der ersten Stufe der Rift Valley-Bildung. Vor 32-16 Mio. Jahren, im Miozän, senkte sich der Graben im Norden Kenyas ab und bildete die Turkana-Senke, die sich heute auf einem Niveau von 375 m.ü.N.N. befindet. Durch den Zufluss des Omo aus Äthiopien, dem Turkwell und dem Kerio, die beide allerdings nur periodisch Wasser führen, entwickelte sich der Lake Turkana. Seine Oberfläche erstreckte sich damals bis zum Lake Baringo, 190 km weiter südlich als sein heutiges Ufer[1].

Der 1888 durch den Grafen Samuel Teleki von Szek und Leutnant Ludwig von Höhnel entdeckte und zunächst bis 1975 nach dem österreichischen Kronprinzen Rudolf benannte See ist heute der größte Wüstensee der Welt. Mit einer Länge von etwa 318 km und 56 km Breite besitzt der Lake Turkana eine Oberfläche von 6750 km2, die zwölffache Ausbreitung des Bodensees (538 km2). Die durchschnittliche Tiefe beträgt 30,2 m, wobei die maximale Tiefe bis zu 109 Meter weit unter die Seeoberfläche reicht[2].

Die klimatischen Schwierigkeiten ergeben sich zum einen aus den hohen Temperaturen, die in der Senke teilweise bis zu 50°C erreichen können und durchschnittlich 30°C betragen, und den geringen Niederschlagsmengen. Die Region um den Lake Turkana erhält durchschnittlich weniger als 250 mm Niederschlag pro Jahr. Als problematisch stellt sich hierbei die stark schwankende Menge an Niederschlag dar. Teilweise werden in besonders trockenen Jahren nur 20 mm Niederschlag gemessen. In regenreichen Jahren dagegen kann die Menge bis über 300 mm pro Jahr ansteigen. Erschwerend für das Pflanzenwachstum kommt noch die trimodale Verteilung der Niederschläge hinzu. Die Ungleichmäßigkeit der Niederschläge lässt ein Wachstum von perennen Pflanzen nur an edaphisch günstigen Stellen zu. Die Region ist zu trocken. Die Folge ist ein fast vegetationsloses, vulkanisch geprägtes Ufergebiet, das nur vereinzelt von Buschwerk durchbrochen wird (DUMONT, 2000, S. 83)

  

2 Naturräumliche Besonderheiten

Durch Lavaströme während des Pleistozäns vor 2,5 Mio. Jahren wurde der Abfluss des Lake Turkana zum Nil versperrt. Seitdem ist der See abflusslos, wobei noch Zeugen wie der Nilbarsch und Nilkrokodile von diesem Zustand im Lake Turkana zurückgeblieben sind[3]. Der Ausgleich des Wasserhaushaltes wird heute durch die in der Turkana-Senke vorherrschende hohe Verdunstung, bedingt durch die hohen Temperaturen und den geringen Niederschlag in der Region, reguliert. Dieses Phänomen wird durch das konstante Wehen des Turkana-Jet noch verstärkt. Die Verdunstung beträgt teilweise bis zu 3000 mm pro Jahr. Demzufolge ist der Lake Turkana stark anfällig für Klimaveränderungen. Ist die Höhe der Niederschläge in Äthiopien zu gering und der Zufluss des Omos nicht ausreichend, so sinkt der Wasserspiegel. Eine Folge der unregelmässigen Wasserzufuhr ist ein Rückgang des Seespiegels um 60 bis 70m in den letzten 10.000 Jahren (HECKLAU, 1989, S. 89). Seit einigen Jahren kann ein leichtes Ansteigen beobachtet werden, was nicht zuletzt auf regenreiche Jahre zurückgeführt werden kann.

Allerdings spielen nicht nur natürliche Faktoren eine wichtige Rolle bei der Höhe des Wasserspiegels. Auch antropogene Einflüsse, wie beispielsweise der Bau des Turkwell-Dammes zur Stromerzeugung und weiter intensivierte Bewässerungssysteme entlang der Flüsse nehmen dem See das zum natürlichen Ausgleich benötigte Wasser. Eine Folge des Volumenrückganges ist eine allmähliche Versalzung des Sees. Die Qualität als Trinkwasser nimmt konstant ab. Heute können nur an die besonderen Lebensbedingungen angepasste Organismen von diesem Wasser leben (bsp.: der Stamm der El Molo).

Der bereits erwähnte Turkana-Jet sorgt nicht nur für eine hohe Verdunstung am Lake Turkana. Er ist auch der natürliche “Mixer“ des Sees. Der starke Südost-Wind durchmischt ständig den See und bildet somit trotz des relativ hohen Salzgehaltes gute Lebensbedingungen für Wassertiere. Fische, wie der Nilbarsch, Tilapia und der Tigerfisch sind ebenso vorzufinden, wie Nilpferde und Krokodile. Ein starkes Wachstum an Algen lässt den Lake Turkana grünlich schimmern, wodurch sein romantischer Beiname „das Jademeer“ entstand[4].

 

3 Die Wiege der Menschheit

1972 musste am Lake Turkana durch einen spektakulären Fund die Evolutions-Geschichte umgeschrieben werden. Der Paläontologe Richard Leakey entdeckte in Koobi Fora (am NW-Ufer des Sees) einen fast vollständig erhaltenen, 2,6 Mio. Jahre alten Schädel mit 800cm3 Hirnvolumen. Der Homo habilis „Nr.1470“ (seine Kennummer) verfügte bereits über Steinwerkzeuge und eine Urlautsprache. Somit erhärtete sich die Annahme, dass die einzelnen Hominidentypen nicht einzeln, sondern parallel existierten. Die Geschichte musste um ca. eine Million. Jahre vordatiert werden (DUMONT, 2000, S. 45)[5].

Weitere bedeutsame Werkzeug- und Knochenfunde bezeugen eine größere Besiedelung des Ufergebietes, ebenso wie die versteinerten Bäume in der Allia Bay auf eine üppige und dichte Bewaldung vor 7 Mio. Jahren schliessen lassen

 

4 Heutige Bevölkerung am Lake Turkana

4.1 Der Stamm der El Molo

Die El Molo waren ein geographisch und kulturell vollständig von den nomadisierenden Nachbarstämmen der Rendille, Samburu und Turkana abgeschottetes, vom Fischfang lebendes Volk. Sie bewohnten hauptsächlich die Inseln im südlichen Bereich des Lake Turkana. Die kleine sesshafte Population zählte 1983 nur etwa 240 Personen. Seit der Errichtung der Missionsstation Loiyangalani am Ostufer des Lake Turkana findet allerdings eine Durchmischung der El Molo mit anderen Stämmen statt. Es wird vermutet, dass es die ursprüngliche El-Molo-Kultur nicht mehr lange geben wird.

Dennoch ist dieser Stamm besonders zu erwähnen. Die Niederlasssung in der vegetationslosen Region des Turkana-Sees führte zu einer besonderen körperlichen Entwicklung der El Molo. Trotz des augenscheinlichen Überfluss an Nahrung (Fisch) und Wasser sind die Existensbedingungen alles andere als optimal. Die Population befindet sich in einem erschreckenden Zustand. Starke Deformationen des Skelettbaus sind ebenso zu erkennen, wie braune Verfärbungen der Zähne. Grund hierfür ist die einseitige und mineralstoffarme Ernährung durch Fisch. Das Wasser des Lake Turkana ist stark sodahaltig, mineralstoffarm und nur für angepasste Lebewesen geniessbar. In Tabelle 1 fällt der relativ geringe Gehalt an Calcium und Magnesium im Lake Turkana auf. Dagegen ist der Anteil an Natrium, Chlorid und Flur verhältnismäßig hoch.

 Tabelle 1: Auszug der Analyse von Wasserproben

Substanz

El Molo Insel

Karlsruher Wasser

Ca2+ (mg/l)

5,7

124

Mg2+ (mg/l)

2,6

16

Na+ (mg/l)

950

11,2

F- (mg/l)

0,89

0,19[6]

CI- (mg/l)

1295,7

50,4

Quelle: KENNTNER / LUDWIG (1983, S. 139)

 Die Fischnahrung ist zwar sehr eiweißhaltig, auf Dauer allerdings zu einseitig. Es fehlen neben den Mineralstoffen auch Vitamine, Spurenelemente, Kohlehydrate und Fette. Pflanzliche Nahrung ist aufgrund der schlechten Böden und Klimabedingungen nur in sehr geringen Mengen vorhanden. Ebenso fehlen Eier und Milchprodukte[7].

 

4.2 Die Turkana

Der Stamm der Turkana ist verwandt mit den Samburu und den Maasai. Er stellt 1,4% der kenianischen Bevölkerung, etwa 250000 Personen. Die Turkana sind ein nilotischer Stamm, der aus dem ugandisch-südsudanesischen Raum nach Nordkenya gekommen ist. Sie sind, wie alle Stämme in der Region des Lake Turkana, mit Ausnahme der El Molo, Nomaden. Ihr gesamtes Leben ist auf ihre Tiere, Ziegen, Schafe und Kamele, ausgerichtet. Während der Trockenzeit wandern sie mit ihren Herden bis zu 40 km am Tag. Der besondere Schwerpunkt liegt bei der Kamelzucht. Sie bedeuten Reichtum und Anerkennung.

Die Turkana werden häufig als kriegerisches Volk bezeichnet. Beim Betrachten des Ursprungs wird allerdings deutlich, dass der Viehdiebstahl als Überlebensgrundlage dient. Die Verluste ihrer Tiere durch Dürren u.ä. gleichen sie durch diese „Räubereien“ aus. Es stellt folglich ihren Lebensunterhalt dar und muss bei der Beurteilung der Turkana stehts im Hinterkopf behalten werden.

Dennoch steht es um das physische Befinden der Turkana nicht sehr gut. Immer schwierigere Lebensbedingungen, klimatische Katastrophen und der beengte Lebensraum, bedingt durch das Näherrücken zu den Rendille- und Samburu- Stämmen, führen zu einer teilweise lebensbedrohlichen Situation. Der Lebensunterhalt kann häufig nicht gesichert werden. Um die Nahrungsengpässe zu überwinden, wurde deshalb 1999 der “Nation Turkana Famine Relief Fund“ gegründet, eine Organisation, die in besonderen Notsituationen Lebensmittel in die betroffenen Regionen schickt.

 


Literatur

DUMONT (2000): Kenia-Reisetaschenbuch.- Köln

KENNTNER, G.; LUDWIG, E. (1983): Die El Molo vom Lake Turkana.- Ärztliches Reise- und Kulturjournal, Nr.8, S. 131-138

HECKLAU, H. (1989): Ostafrika.- Darmstadt

 

HOMEPAGES zum Lake Turkana

http://www.jambokenya.com/jambo/location/lturkana.htm

http://www.go2africa.com/

http://www.ilec.or.jp/

http://www.africanvacation.com

 


[5] vgl.: weiterführend die Arbeit von Martin Müller (Regionalseminar)

[6] nach der deutschen Trinkwasserverordnung höchst zulässige Menge

[7] zur genaueren Darstellung der Auswirkungen der Fehlernährung vgl.: KENNTNER / LUDWIG (1983, S. 131 ff.)

 

 

 

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