Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat 

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Sirkka Haase


 

Halbwüstentypen und ihre Verbreitung in Nordkenya

 

 

1 Definition Halbwüste

2 Das Klima von Nordkenya

3 Die Bodentypen Nordkenyas

4 Botanische und klimatische Merkmale der Halbwüsten in Nordkenya

5 Verbreitung der Halbwüsten in Nordkenya

Literatur

 

 

 

1 Definition Halbwüste

Als Halbwüste wird der Übergangsraum zwischen Savanne/Steppe und Wüste verstanden. Er ist bereits stark von Vegetations-, Niederschlags- und Bodenwassermangel geprägt. Zu feuchteren Zonen grenzt sich die Halbwüste dort ab, wo weniger als 50% des Bodens von Dauervegetation bedeckt ist. Es ist jedoch eine noch fast gleichmäßige Verteilung der Vegetation gegeben, wobei annuelles Gras gegenüber dem perennierenden überwiegt. Die Abgrenzung zur Wüste wird dort gezogen, wo Flächen ohne Dauervegetation auftreten.

 Im Norden Kenyas treten drei unterschiedliche Arten von Halbwüsten auf: die Strauchhalbwüste, die Zwergstrauchhalbwüste, und die Rand- bzw. Übergangswüste. Ihr Auftreten entspricht den naturräumlichen Gegebenheiten. Teilweise wird ihre Entstehung aber auch durch antropogenen Einfluß (Überweidung) begünstigt.

 

2 Das Klima von Nordkenya

Der Norden Kenias ist wesentlich trockener als der restliche Teil des Landes. Nach FLOHN (1950) ist die Trockenheit auf Divergenzprozesse zurückzuführen. Schon während der Regenzeiten macht sie sich in einer schwächeren Ausprägung der Niederschlagsprozesse bemerkbar. Die Trockenheit wird durch mehrere Faktoren begründet:

·        die SE-Passate regnen sich über Madagaskar ab, so daß die Passatinversion im Regenschatten Madagaskars bis auf eine Höhe von 3600m herabreicht.

·        Zwischen Juli und September, sowie im Januar, haben die SE-Passate eine meridionale Komponente.

·        Der ganzjährig trockene NE-Passat kommt von Saudi-Arabien, muß das Hochland von Äthiopien übersteigen (kaum Möglichkeit Feuchte aufzunehmen) und gelangt dann als Fallwind ins kenianische Tiefland.

·        Über dem Lake Victoria, dem Rift Valley und dem Hochland von Äthiopien bilden sich flache Hitzetiefs, die zu Divergenzen in der unteren Troposphäre führen.

·        Infolge der im Nordsommer auftretenden hohen Windgeschwindigkeiten im Küstenbereich kommt es nahe der Küste zu Verwirbelungen der oberen Meeresschichten. Kühleres Tiefenwasser gelangt so an die Oberfläche und bewirkt eine Abkühlung und Stabilisierung der darüberliegenden Luftschichten. Dies verringert wiederum die Niederschlagsbildung.

·        Der Turkana-Jet, eine Luftströmung mit Windgeschwindigkeiten in einer Höhe von 2000m bis zu 30m/s, bewirkt eine Art Düseneffekt. Über den Sudd-Sümpfen im südlichen Sudan bildet sich ein Hitzetief, das Luft anzieht. Teile der Passatwinde werden so abgelenkt und durch den schmalen Durchgang zwischen dem Hochland von Äthiopien und den kenianischen Hochländern hindurchgesogen. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit findet keine Konvektion statt, die Luftmassen können sich nur horizontal bewegen.

 

3 Die Bodentypen Nordkenyas

Typische Böden sind Arenosole, Xerosole und Yermosole. Häufig treten die drei Bodentypen in Form von Catenen auf. Arenosole treten an etwas feuchteren Standorten an den oberen Abschnitten der Pedimente auf. Xerosole und Yermosole findet man dagegen eher an trockeneren, leicht geneigten unteren Abschnitten der Pedimente. Bei Xerosolen und Yermosolen ist die Biomasseproduktion niedrig, der Ah- Horizont entsprechend gering ausgeprägt. Mehr als sechs Monate im Jahr gibt es kein pflanzenverfügbares Bodenwasser. Der pF-Wert liegt bei >4,2.

Die zu den Yermosolen zählenden Steinpflasterböden bilden eine Besonderheit. Man findet sie vor allem über vulkanischem Gestein. Die Bodenbildung erfolgt durch chemische Verwitterung unterhalb der Oberfläche. Niederschlagswasser versickert und im Unterboden bilden sich meist mineralreiche, feinkörnige Substrate mit Säulengefüge.

In der Chalbi Desert treten dazu noch Solonchake (Salzböden) auf. Sie entstehen durch Anreicherung von ton-, salz-, und Na-reichen Sedimenten und durch hohe Verdunstung.

 

4 Botanische und klimatische Merkmale der Halbwüsten in Nordkenya

a) Strauchhalbwüste (Dornstrauchhalbwüste)

Strauchhalbwüsten können aus Dornsavannen hervorgehen. Sie sind gekennzeichnet durch einen mittleren Jahresniederschlag von 200-280 mm. Weniger als 50% des Bodens sind dauerhaft mit Vegetation bedeckt. Die Vegetation setzt sich hauptsächlich aus einjährigen Gräsern (Aristida adscensionis, Aristida mutabilis) zusammen. Vereinzelt treten Strauchakazien (Acacia mellifera, Acacia reficiens) und Zwergsträucher (Indigofera spp. (Leguminosen), Duosperma eremophilum, Heliotropium spp.) auf. Die Strauchakazien weisen einen trichterförmigen Wuchs auf, der eine Konzentration der Feuchtigkeit im Zentrum unter der Pflanze bewirkt. Mehrjährige Gräser finden sich nur in edaphischen Gunstlagen wie z.B. unter Bäumen, da im allgemeinen zu wenig Feuchtigkeit vorhanden ist, um das Überleben der Keime zu sichern. Aufgrund des skelettreichen Untergrundes erreicht die Vegetation nur eine geringe Wuchshöhe. Nach Jätzold (1988) sind die Strauchhalbwüsten der ökoklimatischen Zone L/LM7+zuzuordnen.

b) Zwergstrauchhalbwüste

Zwergstrauchhalbwüsten breiten sich dort aus, wo nicht mehr genug Feuchtigkeit für die Existenz von Sträuchern gegeben ist. Es dominieren Halb- oder Zwergsträucher. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt nur noch 150-200mm. Als Zwergsträucher treten vor allem Indigofera spinosa, Indigofera cliffordiana und Heliotropium spp., sowie in Gerinnen auch das anspruchsvollere Duosperma eremophilum auf. Annuelle Gräser sind z.B. durch Aristida spp. vertreten. Eine Beweidung der Sträucher auf 15cm Wuchshöhe ermöglicht es den Pflanzen erneut auszutreiben. Die Zwergsträucher dienen aus ökologischer Sicht dem Boden als Schutz, z.B. vor Erosion. Nach Jätzold (1988) sind die Zwergstrauchhalbwüsten der ökoklimatischen Zone L/LM7 zuzuordnen.

c) Rand-/Übergangswüste

Der Übergang von Halbwüste zu Wüste ist dort gegeben, wo die Dauervegetation  nicht mehr dispers verteilt ist, sondern nur mehr inselartig (in weiten Abständen) auftritt. In den Randwüsten, mit einem jährlichen Niederschlag von <150mm,  führt das Zusammenfließen von Wasser in Geländemulden und Abflußrinnen noch zu einer Art netzartigem Pflanzenbewuchs. Zwergsträucher, vereinzelt auch Strauchakazien sind vertreten.  Zwischen diesen "Vegetationsinseln" tritt nackter Boden auf, der sich während der Regenzeit mit annuellen Gräsern und kurzlebigen Kräutern bedeckt. Aufgrund des geringen Nährwertes der Gräser sind die Gebiete zur Beweidung ungeeignet. Nach Jätzold (1988) gehört die Rand-/Übergangswüste der ökoklimatischen Zone L/LM7- an.

 

5 Verbreitung der Halbwüsten in Nordkenya

Die drei Halbwüsten (Hedad, Kaisut Desert und Koroli Desert) sowie die Randwüste (Chalbi Desert) sind Teile einer ausgedehnten Inlandebene, der Hedad Plains, die sich parallel zum ostafrikanischen Graben nach Norden hin annähernd bis zur äthiopischen Grenze erstreckt. Sie wird begrenzt von Gebirgszügen des kristallinen Grundgebirges, vulkanischen Bergländern und Basaltplateaus. Den tiefsten Punkt der Depression bildet die Chalbi Desert. Die klimatische Situation wird in erster Linie durch die Lage im Regenschatten des Mt. Marsabit geprägt.

a)     Hedad

Die Hedad liegt im Südwesten des Marsabit-Distrikts. Sie gehört zu den Strauch- und Zwergstrauchhalbwüsten. Der mittlere Jahresniederschlag beträgt hier ca. 150-250 mm. Sie wird der ökoklimatischen Zone L7 v/es+(es) zugeordnet. Mit 15-34 Tagen ist die Vegetationsperiode in diesem Gebiet sehr kurz. Im östlichen Teil treten überwiegend lehmige, im westlichen Teil sandige Böden auf. Die Bodenerosion durch Wasser ist aufgrund der flachen Hangneigung gering. Das Gebiet ist nicht zur dauerhaften Viehhaltung geeignet.

b)     Kaisut Desert

Die Kaisut Desert liegt am Südrand des Marsabit Schildvulkans und bildet eine abflußlose Senke. Der Jahresniederschlag beträgt in der Region etwa 200mm. Sie ist der ökoklimatischen Zone L7 v/es+(es) zuzuordnen und ist ebenfalls eine Strauchhalbwüste. Das Gebiet ist gekennzeichnet durch eine sehr flache Neigung. Es besteht eine hohe Gefährdung des Bodens durch Winderosion.

c)      Koroli Desert

Die Koroli Desert liegt im Zentrum der Hedad Plains und des Marsabit-Distrikts. Sie zählt zu den Zwergstrauchhalbwüsten. Die Sträucher von sehr geringer Wuchshöhe verzweigen sich unmittelbar an der Erdoberfläche. Sie wird der ökoklimatischen Zone L7 es+(ep) zugeordnet. Auch hier ist die Vegetationsperiode auf 15-34 Tage begrenzt und eine dauerhafte Viehhaltung nicht möglich. Lediglich während der Regenzeit ist eine begrenzte Viehhaltung möglich. Besonders Schafe, Ziegen und Kamele kommen vor.  Der mittlere Jahresniederschlag beträgt etwa 150-200 mm. Das Gebiet ist durch Lavaplateaus gekennzeichnet.  Es treten sowohl tonig- lehmige als auch sandige Böden auf. Aufgrund der Flachheit des Gebietes birgt vor allem Winderosion eine Gefahr.

d)     Chalbi Desert

Die Chalbi Desert erstreckt sich östlich des Lake Turkana und nördlich der Koroli Desert. Sie ist eine Salz-Ton-Wüste mit sehr hohem Salzgehalt und sehr geringen Gehalt an organischer Substanz. Sie wird dem Typ der Randwüste zugeordnet. Der jährliche Niederschlag beträgt, im Lee des Mount Marsabit weniger als 150mm. Mit unter 15 Tagen ist die Vegetationsperiode extrem kurz. Innerhalb der zweiten Trockenzeit ist kein Pflanzenwachstum mehr möglich. Die Böden sind sehr tiefgründig. Aufgrund der sehr geringen Hangneigung (<1%) besteht eine hohe Gefahr durch Winderosion. Das Zentrum der Chalbi ist viehlos. Nur die Randbereiche werden innerhalb der Regenzeit von den Gabbras mit ihren Herden durchstreift. Hier liegen auch ergiebige Wasserstellen (Maikona, Kalacha, North Horr). Ansonsten gibt es keine Nutzungsmöglichkeit (In den letzten Jahren wurden Bohrungen (Erdöl) durchgeführt).

 

Literatur:

DREISER, C. (1987) : Anwendbarkeit von Landsat- (TM und MSS) - Daten für eine Weidelandinventur in semiariden und ariden Räumen am Beispiel Nord-Kenya.- Trier

HECKLAU, H. (1989) : Ostafrika.- Darmstadt

HORNETZ; B. (1996) : Ostafrika: Schwerpunkt Kenya-Vorlesungsskript zur Vorlesung SS 96. -Trier

HORNETZ; B. (1996): Exkursionsführer Kenya.- Trier

JÄTZOLD, R. (1988): Range management handbook of Kenya. Map 1-11.- Nairobi

JÄTZOLD, R. (2001): Wüstenregionen der Erde.- in : HORNETZ, B. & JÄTZOLD, R. (2001): Semiaride und aride Geo-Ökozonen.- (= Westermanns Geogr. Seminar).- Braunschweig (im Druck)

 

 

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