Kenia-Exkursion 2001 der Universität Trier 

 
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Universität Trier

Fachbereich VI: Geographie/Geowissenschaften

WS 2000/2001

Exkursionsreferat 

Leitung: Prof. Dr. Hornetz

Verfasser: Andrea Groß


 

Ökologie und Nutzung der nordkenianischen Bergwälder (Ndoto Mountains / Mount Marsabit)

 

 

1. Die Verbreitung und Entstehung der nordkenianischen Bergwälder

2. Die ökologische Bedeutung der Bergwaldstufe

3. Die Nutzung der Bergwälder

4. Die Ndoto-Gebirgsländer

5. Der Bergwald des Mt. Marsabit

6. Ausblick

7. Literatur

 

   

1 Die Verbreitung und Entstehung der nordkenianischen Bergwälder

Im Norden Kenias erheben sich fünf Gebirgs- und Bergzüge von über 1000m Höhe aus den Inlandsebenen (500 – 700m hoch) hervor. Dies sind die aus vulkanischen Gesteinen bestehenden Hurri-Hills (1479m), das Marsabit-Bergland (1707m), der Mount Kulal (2285m) sowie die Nyiro (2848m) und die Ndoto Mountains (2660m), die aus kristallinen Gesteinen des Präkambriums aufgebaut sind. Bis auf die Hurri-Hills kommen in allen anderen aufgeführten Gebirgen immergrüne geschlossene Bergwälder vor. Am Mount Marsabit ist aufgrund der Niederschläge ein Bergregenwald entstanden. Er ist die erste orographisch bedeutsame Erhebung im Norden Kenias auf den die feuchten Südost-Passate treffen und somit erhöhte Niederschläge zustande kommen. 

Abbildung 1 :  Die Verteilung der Bergwälder in Nordkenia

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Quelle : MÄCKEL/WALTHER 1984, S.78

Die Ausbildung der Bergwälder ist auf die orographisch bedingten Niederschläge und die Nebelnässe zurückzuführen. Umgekehrt beeinflussen die Bergwälder die Höhe und die Verteilung des Niederschlags. Die landschaftsökologische Bedeutung der Bergwälder liegt in der durchgehenden Wasserversorgung. Die Quellen der Bergwaldstufe und auch die permanenten oder saisonalen Wasserstellen des Umlands werden von dem einsickernden Niederschlagswasser gespeist.

 

2 Die ökologische Bedeutung der Bergwaldstufe

Die häufig auftretenden Niederschläge resultieren nicht ausschließlich aus dem orographisch bedingten Regen, sondern auch aus der Abkühlung der Luftmassen aufgrund der Transpiration des geschlossenen Bergwaldes. Eine Vernichtung der Bergwälder könnte zu einer Verminderung des Gesamtniederschlags führen oder weniger Regentage zur Folge haben. Es könnte aber auch zu einer Veränderung der Wärmebilanz  führen. Eine weitere Niederschlagsart im Wasserhaushalt der Bergwälder ist das Auskämmen der Feuchtigkeit des Nebels und der tief hängenden Wolken durch die Bäume. Besonders gut lässt sich dies an den Baumwacholdern erkennen, da der Boden durch die herabfallenden Kondensationstropfen oder den Stammabfluß durchfeuchtet wird und sich daher eine dichtere Kraut- und Busch-Vegetation ansiedelt. Ein weiterer Vorteil, der durch das Auskämmen der Feuchtigkeit zu nennen wäre, ist die Erhaltung des Bodenwassers. Nach der Auflösung des Nebels setzt die Evaporation der benässten Blattoberflächen der Baumkronen ein, wodurch die Transpiration der Pflanzen reduziert wird, sofern nicht ausreichend Bodenfeuchtigkeit zur Verfügung steht.

Die relativ tiefgründige Bodenschicht, die lockere Streuschicht auf dem Boden und auch der hohe Humusgehalt ermöglichen ein leichtes versickern des Niederschlagwassers. Das Wasser kann ungehindert bis zu den Wurzeln der Bäume vordringen und von dort den wassertragenden Schichten zugeführt werden, die das Wasser dann wiederum gleichmäßig über das Jahr verteilt an die Quellen weitergeben. Insgesamt sind in der Bergwaldstufe neun permanente Quellen bekannt, von denen drei der Wasserversorgung dienen und mehrere Wasserlöcher mit permanentem oder saisonalem Wasservorrat, deren Ouellaustritte in den tieferen Tälern liegen (Beispiel : Oasen von North Horr, Kalacha, Loyangalani).

Durch diese Funktion liegt die besondere landschaftsökologische Bedeutung der Bergwälder in der Erhaltung von Wasservorräten, um die trockenen Ebenen Nordkenias versorgen zu können. Eine Reduzierung oder Schädigung der Wälder oder auch eine Waldbeweidung in der Trockenzeit hätte das Versiegen der Quellen zur Folge und somit verheerende Auswirkungen auf die Wasserversorgung.

 

3 Die Nutzung der Bergwälder

Seit der Erlangung der Unabhängigkeit Kenias 1963 werden die Trockengebiete des Landes zunehmend bevölkert. Vor allem bei den Nomaden ist ein zunehmendes Sesshaftwerden zu beobachten. Die Menschen siedeln bevorzugt an günstigen Stellen, wie zum Beispiel an permanenten Wasserstellen. Der Bevölkerungsanstieg und die Konzentrationen an solch günstigen Standorten wurde vor allem durch die Arbeit der Missionen gefördert. Es wurden Einrichtungen gebaut, wie zum Beispiel Polizeistationen als Schutz vor Überfällen, Krankenhäuser oder Schulen, die wiederum die Attraktivität solcher Räume erhöhen. Eine immer stärkere Nutzung der natürlichen Grundlagen hat eine erhebliche Veränderung des Waldbestandes zur Folge.

Ein sehr schnelle und auch folgenschwere Zerstörung des Bergwaldes wird durch das Niederbrennen des Bestandes zur Gewinnung von Weideflächen herbeigeführt. Auf den abgebrannten Waldflächen kann das Regenwasser nicht mehr ausreichend versickern und der Oberflächenabfluß wird erhöht. An den steilen Hängen wird die organische Auflage und das Feinmaterial durch den Wind verweht oder durch einen Starkregen abgetragen. Auch die Entnahme von Holz für den Bau von Hütten und Tiergehegen trägt entscheidend zur Minderung des Baumbestandes bei. Vor allem der Bergwacholder ist ein beliebtes Baumaterial, da das stabile Holz leicht zu bearbeiten ist und termitenresistent sein soll. Als Feuerholz werden vor allem von den Samburu die Baumwacholder (Olea hochstetteri) und zum Teil auch die Ölbäume (Olea africana) geschlagen. Diese recht einseitige Selektion macht sich bei der Artenzusammensetzung der unteren Baumwacholderstufe bemerkbar und führt schließlich zu einer Anreicherung mit weniger wertvollen Gehölzen und zur Verbuschung mit Weideunkräutern (z.B. Solanum incanum, Withania somnifera).

Zur Holzkohlenherstellung werden ebenfalls viele Bäume geschlagen, da die Samburu dieses Verfahren von den Missionaren erlernt haben und sich dies zu Nutzen machen. Solche Holzkohlenmeiler findet man zum Beispiel in Ngurunit und South Horr.

Aber auch die Beweidung des Bergwaldes hinterlässt ihre Spuren. Besonders in der Trockenzeit, wenn die Vegetation ohnehin unter Wasserarmut leidet, werden die Tiere in den Wald getrieben. Je länger eine Trockenzeit andauert, umso länger halten sich die Tiere im Wald auf und umso größer sind die Schäden, die entstehen. Aufgrund der dauerhaften Besiedlung der Bergwaldstufe ist keine Regeneration der Bestände mehr möglich. Mit der lang anhaltenden Beweidung der Flächen ist nicht allein der Baumbestand gefährdet sondern auch der Waldboden, der durch den Viehtritt stark verfestigt wird. Ist der Wald dann relativ stark gelichtet oder ganz zerstört, so kommt es durch Wind und Starkregen zur Bodenerosion. Der Boden kann dann kaum noch Niederschlag zur Wasserspeicherung aufnehmen. Um dies zu vermeiden sollte der Waldboden immer mit einer Laubstreu oder einer bodennahen Vegetationsschicht bedeckt bleiben. Besonders um die Quellen und entlang ehemals permanenter wasserführender Gerinne sind die ersten starken Erosionsformen, wie Rinnen, Gräben und freigespültes Festgestein, zu erkennen. Diese Erosionsschäden treten besonders häufig an den überweideten Grasflächen der Bergwaldstufe und an den waldfreien Kuppen auf. Nicht alle waldfreien Standorte sind erst in jüngster Zeit durch anthropogene Eingriffe entstanden. Im gesamten Holozän erfolgte eine Veränderung der Bergwaldstufe. Dies ist am Wechsel der Bewaldung, dem montanen Rasen, den ungeschützten Flächen und durch begrabene Horizonte und Steinbänder nachvollziehbar.

Um eine dauerhafte Lösung des Problems herbeizuführen wird es nicht reichen die Bergwälder als Forstschutzgebiete auszuweisen oder Forstgrenzen festzusetzen, wie das in Marsabit bereits versucht wurde. Lediglich Aufforstungsmaßnahmen und eine gezielte kontrollierte Waldwirtschaft mit der Ausweisung von Regenerationszonen können langfristig die Waldbestände sichern. Solche Aufforstungspläne gibt es bereits. Am Mt. Kulal werden  Wiederaufforstungsmaßnahmen von der UNESCO unterstützt. „1980 wird das Forstschutzgebiet Kulal innerhalb der neuen Forstschutzgrenzen, die nur den oberen Gipfel mit den Quellbereichen umschließen und die im Gelände als gerodeter Streifen sichtbar sind, in das amtliche Verzeichnis aufgenommen und 1981 zum ökologisch bedeutsamen Schutzgebiet (Kenya National Bioreserve) erklärt.“ (MÄCKEL/WALTHER 1983; S.226)

 In Marsabit wird der Wald bereits seit 1930 wieder aufgeforstet. Dies geschieht mit Eukalyptusarten oder Pinus- und Zypressenarten aber auch mit heimischen Gehölzen, wie dem Ölbaum oder der Cordia.

 

4 Die Ndoto-Gebirgsländer

Die besondere ökologische Bedeutung der Bergwälder, in Bezug auf die Wasserversorgung, zeigt sich anschaulich in den Nyiru-Ndoto-Gebirgsländern. „Viele der kurzen Nebenflüsse im Horr-Tal, die von der Bergwaldstufe des Nyiru-Gebirges entwässern, führen das ganze Jahr über Wasser.“ (MÄCKEL/WALTHER 1983; S.226)

Seit einigen Jahren wird aber eine vermehrte Wasserabnahme der Flüsse beobachtet. Diese Änderung ist aber nicht auf fehlende Regenzeiten oder geringere Niederschläge zurückzuführen, sondern auf die Reduzierung der Bergwälder. Die Vegetation der steilen Ostflanke des Nyiru ist in den Jahren zwischen 1979 und 1981 durch mehrere große Brände fast völlig zerstört worden. So auch im Ndoto-Gebirgsland. Ein sehr großer Teil des Bergwaldes ist zerstört und kann auf den sehr steilen Hängen kaum wieder nachwachsen. Teile der Wälder der Ndoto-Mountains wurden 1950 zu einem Forstreservat ausgewiesen. Man gab eine Größe von 93.205 bis 96.000 ha an. 

Auf dem flachgeneigten westlichen Teil des Gebirges wurde schon 1976 eine Dauersiedlung errichtet, so daß der Bergwald weiterhin stark beeinträchtigt wird. Auch hier zeigen sich erste Veränderungen bei der Wasserführung der Flüsse. Der Ngurunit-Fluß führte bis zum Jahre 1976/77 noch das ganze Jahr über Wasser. In den anschließenden Jahren war er bereits mehrere Monate im Jahr ausgetrocknet, bis er schließlich in der Trockenperiode 1980/81 vollends versiegte. Erst in Tiefen von 2-3m erreichte man im Oktober 1980 das Wasser im Flußbett. Bereits im darauffolgenden März mußten die Nomaden an der gleichen Stelle 7m graben, um an das Wasser zu gelangen. Der Grund für diese derartige Veränderung liegt in der Degradierung der Wassereinzugsgebiete, insbesondere an den Flächen, die gut für die Viehherden zu erreichen sind.

 

5 Der Bergwald des Mt. Marsabit

Das Bergland von Marsabit ist aus vulkanischen Gesteinen (Basalte, Tuffe) des Quartärs aufgebaut. „Charakteristisch sind in der oberen Stufe die Vulkankuppen und Krater, die lokal als Gofs bezeichnet werden.“ (MÄCKEL/WALTHER 1983; S.227)

Das 1927 gegründete Forstreservat des Mt. Marsabit hat eine Größe von etwa 153 qkm. Etwa 110qkm sind davon dem geschlossenen Bergwaldbestand zuzuordnen. Das 44qkm große offene Busch- und Grasland ist auf Brände zurückzuführen. 1961 wurden die Grenzen des Marsabit Nationalparks festgelegt, der eine Größe von 2000 qkm besitzt, bis in die Inlandebene hinabreicht und einen großen Bestand an Wildtieren umfasst.

Durch die orographisch bedingten Regenfälle und die Nebelnässen entstand am Mt. Marsabit ein geschlossener immergrüner Bergwald. Aufgrund der unterschiedlichen Niederschlagsverteilung, aber auch durch die zunehmende landwirtschaftliche Nutzung, reicht der Bergwald an der Süd- bzw. Südostseite des Berges bis auf 920 m herab, auf der Nordseite bis auf 1500 m. Auf der niederschlagsärmeren Lee-Seite kommt es zur Ausbildung einer trockenen Variante des Bergwaldes. Die Niederschlagsmenge variiert hier zwischen 700 mm und 1000 mm pro Jahr. Typische Arten für den Bergwald sind Olea africana, Teclea nobilis, Olea hochstetteri und Ochna insculpta. An der feuchten Luv-Seite des Berges entsteht bei über 1000 mm Niederschlag pro Jahr die feuchtere Variante des Bergwaldes mit typischen Arten wie Premna maxima und Strombosia scheffleri. Der Bergregenwald ist in einigen niederschlagsreichen Regionen des Berges zu finden, dort wo die Verdunstung aufgrund der häufigen und langanhaltenden Nebelnässen, Wolkenbildungen und hoher Luftfeuchtigkeit reduziert wird (1650-1700 m über NN).

Der Bergwälder des Mt. Marsabit sind für die Wasserversorgung Bevölkerung von großer Bedeutung. „Sowohl die Überlebenschance der Nomaden im weiteren Umland als auch die Versorgung der Bewohner der Stadtgemeinde Marsabit hängen von den Wasservorräten in den geschlossenen Bergwäldern bzw. von den Brunnen ab, die aus den dort eingesickerten Niederschlagswasser gespeist werden.“ (MÄCKEL/WALTHER 1983; S.229)

Genau aus diesem Grund wurde 1927 das Forstreservat von Marsabit amtlich ausgewiesen, da die Gabbra jahrelang starke Schäden im Wald verursacht haben. Während der Trockenzeit wird der Wald von anderen Nomadenstämmen (Rendille, Boran, Samburu) aufgesucht, um dort das Vieh weiden zu lassen. Dies ist sicherlich auch eine starke Belastung für den Wald.

Ein anderes Problem ist die ansteigende Bevölkerung der Stadt Marsabit, da zusätzlicher Siedlungsplatz und Bau- und Brennholz benötigt wird. Vor allem während der Trockenzeit nimmt die Bevölkerung zu. Auf den nordöstlichen Berghängen, dort wo vereinzelt Wanderfeldbau betrieben wird, hat der Wald schon erhebliche Schäden aufzuweisen. Auch die Gewinnung von Holzkohle, die schon 1973 verboten wurde aber noch immer betrieben wird, führt zu einer enormen Reduzierung des Waldbestands.

 

6 Ausblick

Die Degradierung der Bergwälder hat schwerwiegende Folgen für den Naturhaushalt und danach auch für den Menschen. Die Abholzung der Wälder führt zu einer Verringerung der Niederschläge und vermindert somit auch die Wasserversorgung der dort lebenden Menschen. Ehemals permanent wasserführende Flüsse, wie der Ngurunit, trocknen aus und versiegen völlig.

Um den Wald nachhaltig schützen zu können, ist es zunächst wichtig, die Bevölkerung von der ökologischen Bedeutung des Waldes zu überzeugen, um illegale Weidewirtschaft, Holzkohlenherstellung etc. zu reduzieren. Eine kontrollierte Forstwirtschaft wäre sicherlich sinnvoll, ebenso die Ausweisung von Wasserschutzgebieten. Auf diese Weise können sich die degradierten Flächen wieder, soweit das noch möglich ist, regenerieren und für die Menschen dauerhaft von Nutzen sein.

  

7 Literatur

SIGMUND,R. & LENTS,P. (1999) : Investigations on vegetation, land use and degradation in the area of the Ndoto Mountains Range. = Materialien zur Ostafrika-Forschung, Heft 21

 MÄCKEL,R. & WALTHER,D. (1983) : Die landschaftsökologische Bedeutung der Bergwälder für die Trockengebiete Nordkenyas. – Die Erde, 114,  S.211-235

 Exkursionsführer zur Kenya-Exkursion März/April 1992 : Die ökologische und ökonomische Bedeutung des Mt. Marsabit .

 Exkursionsführer zur Kenya-Exkursion März 1997 : Die Höhenstufen der nordkenyanischen Gebirge.

 

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